Die Greenpeace-Connection
Geschickte Kaufleute sind die Lidl-Manager allemal. Schlagzeilen machte Greenpeace, als Umweltschützer behaupteten, Obst und Gemüse von Lidl seien pestizidbelastet. Lidl widersprach und verwies auf eigene Laboruntersuchungen. Seit Sommer 2006 führt Lidl allerdings das "Greenpeace-Magazin" in seinem Sortiment.
Die eher exotische Zeitschrift, herausgegeben von einer Tochtergesellschaft des gleichnamigen Umweltschutzvereins, ist in jeder Lidl-Filiale erhältlich. Anfangs steckte sie sogar in speziellen Haltern in Augenhöhe direkt an der Kasse. Erst seit Lidl ein umfangreicheres Zeitschriftensortiment führt, muss sich Greenpeace mit einem normalen Platz im Regal begnügen.
150.000 Exemplare des Ökoblatts, das ist mehr als die Hälfte der Gesamtauflage, werden alle zwei Monate direkt an Lidl geliefert - und nicht wie die übrigen Presseerzeugnisse über Grossisten. Durch die direkte Lieferung verzichtet Lidl auf das sonst bei Presseerzeugnissen übliche Remissionsrecht. Mit anderen Worten: Alle gelieferten Exemplare des Magazins werden von Lidl bezahlt, obwohl nur einige tausend zum stolzen Stückpreis von 4,90 Euro einen Käufer finden. Selbstverständlich schließen alle Beteiligten aus, dass Lidl mit der Listung die Umweltorganisation milde stimmen will.
Als publizistischen Erfolg werten Branchenkenner auch den Einstieg von Lidl in den Verkauf von "fair gehandelter Ware" aus der Dritten Welt. "Das bringt positive Schlagzeilen und zahlt sich sogar wegen der höheren Preise in der Rendite aus", meinte der Besitzer eines "Dritten-Welt-Ladens", der mit den Lidl-Preisen nicht mehr mithalten kann.
Offiziell hat sich Schwarz, der nach dem Abitur in der väterlichen Firma das Kaufmannswesen lernte, 1999 aus der operativen Konzernleitung zurückgezogen. Die Dieter Schwarz-Stiftung wurde Eigentümer der Gruppe. Trotz seines Erfolges kann Lidl-Chef Schwarz auch heute so gut wie unbekannt durch Heilbronn streifen. Einige Heilbronner, die ihn kennen, grüßen ihn. Und sie respektieren seinen Wunsch: Keine Fotos.
Ein Bitte, die man umso lieber respektiert, da Schwarz ein großer Mäzen ist. Sei es sein finanzielles Engagement bei der Sanierung der Kilianskirche in Heilbronn oder der Aufbau der Heilbronn Business School. Schwarz gehört zu den großen privaten Financiers, ohne das an die große Glocke zu hängen. Zuletzt sagte die gemeinnützige Dieter-Schwarz-Stiftung zu, das Heilbronner Science-Center mit insgesamt fünf Millionen zu unterstützen. Da ein Großteil der Lidl-Gewinne in die Stiftung fließt, bleibt dem verschwiegenen Kaufmann Schwarz allerdings auch gar nichts anderes übrig, als Gutes zu tun.
manager-magazin.de mit Material von dpa
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