"Andere Führung als vor 20 Jahren"
Erstmals in der Geschichte von Lidl, die 1973 mit dem ersten Discounter-Markt im rheinland-pfälzischen Ludwigshafen begann, gab das Unternehmen im März dieses Jahres eine Umsatzzahl von 44 Milliarden Euro für die Schwarz-Gruppe bekannt. Wie groß allerdings der Anteil von Lidl daran ist, wird weiter wie ein Staatsgeheimnis behandelt. Immerhin war zu erfahren, dass die Schwarz-Gruppe, in der die Kaufland-, Handelshof- und Lidl-Märkte zusammengeschlossen sind, ein Umsatzplus "knapp im zweistelligen Bereich" erzielt hat.
Zur neuen Offenheit kann neben der Nennung von Kennzahlen sicherlich gezählt werden, dass der Chef für das operative Geschäft in der Schwarz-Gruppe, Klaus Gehrig, erstmals etwas zur künftigen Strategie sagte. Dabei ließ aufhorchen, dass Kaufland den Einstieg in den türkischen Markt prüft und die Schwarz-Gruppe auch Russland intensiv beobachtet. Mit Lidl will Gehrig mittelfristig sogar den amerikanischen Markt angreifen.
Es gibt fast nichts was die Neckarsulmer nicht in ihrem Angebot führen. Außer dem traditionellen Sortiment von Lebensmittel gibt es in den Discountern bei regelmäßigen Aktionen Schuhe, Hemden, Fernseher, Computer und Schulbedarf. Selbst Golfer, Reiter und Angler können sich bei Lidl komplett ausrüsten. Und auch in den Reisemarkt ist Lidl inzwischen eingestiegen. Das Nachsehen haben die kleinen Läden in der Nähe, die mit den Lidl-Preisen nicht mehr mithalten können.
Die Strahlkraft der Neckarsulmer hat in den vergangenen fünf Jahren jedoch trotz des Erfolgs gelitten. Die Gewerkschaft Verdi greift Lidl seit dieser Zeit heftigst an. Sie wirft dem Unternehmen vor, systematisch die Bildung von Betriebsräten zu verhindern. Die Gewerkschaft hat sogar ein "Schwarzbuch" veröffentlicht, in dem Verstöße von Lidl gegen das Arbeitsrecht dokumentiert werden.
Die Angriffe wurden pauschal zurückgewiesen, doch das Unternehmen unterließ es bisher, die Vorwürfe einzeln zu entkräften. Zu dem Vorwurf der rigiden Mitarbeiterführung erklärte Gehrig vor kurzem: "Die jungen Menschen bedürfen heute einer anderen Führung als vor 20 Jahren. Da wollen die gesagt bekommen, was sie zu tun haben."
© manager magazin Online 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH