Von Mirjam Hecking
Pforzheim - An Luxus und Glamour erinnert wenig am Sitz des Juweliers Wellendorff. Das ockerfarben gekachelte Haus verströmt den für Pforzheim typischen Nachkriegscharme. Nebenan bietet der Tätowierer von "Mystery-Tattoos" seine Dienste an. Nur auf der Rückseite des Gebäudes lässt sich etwas vom Glanz einer 114 Jahre alten Schmuckdynastie erahnen. "Dr. A. Wellendorff, Goldwarenfabrik", steht dort in schweren Metalllettern an der mit hohen Gittern geschützten Tür. Darüber wacht ein Panther aus Bronze.
Mit Pomp und Prunk hat sie es nicht, die Familie Wellendorff. Aber vielleicht gerade deshalb gehen ihre Geschäfte so gut. "Unserem Schmuck sieht man seinen Preis nicht an", sagt Claudia Wellendorff. "Das ist wie bei einem Kaschmirpulli. Nur ich weiß, was der Pulli wirklich wert ist."
Mit ihren edlen, zeitlosen Schmuckkreationen haben sich die Nordbadener als eine der Topmarken im deutschen Luxussegment etabliert. Und selbst in schlechten Zeiten sind die Produkte des Traditionsunternehmens gefragt. Während andere Unternehmen nach dem Platzen der Dotcom-Blase teils deutliche Umsatzeinbußen hinnehmen mussten, ging es für das Familienunternehmen gegen den Branchentrend stetig bergauf. Allein in den beiden vergangenen Jahren steigerte der Mittelständler seinen Umsatz um rund 50 Prozent.
"Luxuspreziosen verkaufen sich gut - auch international", sagt Alfred Schneider, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Schmuck und Uhren. "Design made in Germany ist gefragt." Während das Geschäft für den Gesamtmarkt zwischen 2001 bis ins vergangene Jahr schwerfällig und zäh lief, hatten die Hersteller im Luxussegment wenig zu klagen.
Dass auch Wellendorff dazugehört, verdankt die Firma einem Strategiewechsel. Bis in die 70er Jahre belieferten die Mittelständler - wie viele deutsche Unternehmen auch heute noch - den Markt mit einer Palette anonymer Schmuckkreationen. Dann entschieden sie sich, ihre Preziosen unter dem eigenen Namen zu vertreiben. Die Marke Wellendorff war geboren.
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