Von Peter Ilg
Ungekrönte Einkommenskönige
Zu den Spitzenverdienern in der Branche gehören - mit knapp 100.000 Euro Jahresgehalt - die Leiter von Rechenzentren. Dem Großrechner wurde zwar schon vor Jahrzehnten regelmäßig sein nahes Ende prophezeit - doch die Dinos der Datenverarbeitung leben immer noch und verrichten ihre Dienste überwiegend bei Banken und Versicherungen, den typischen Anwendern von Großrechnerapplikationen.
Weil in den vergangenen Jahren die Ausbildung am Mainframe an den Hochschulen vernachlässigt wurde, sind Host-Experten rar. Nach den kräftigen Erhöhungen der Entgelte im Vorjahr fiel das Wachstum mit 1,9 Prozent über die gesamte Berufsfamilie allerdings deutlich bescheidener aus. Die unteren Gehaltsstufen mussten gar Einbußen bis zu zehn Prozent hinnehmen.
Dasselbe gilt für den Bereich Service. Hier wurde Einsteigern knapp sechs Prozent weniger Gehalt überwiesen, während Erfahrene und Führungskräfte fast neun Prozent mehr bekamen. Tendenziell dasselbe Bild ergibt sich für Vertriebsmitarbeiter: unten weniger, oben ein deutlicher Zuwachs. Insgesamt liegt das Wachstum hier bei 4,5 Prozent. Vertriebschefs kommen im Schnitt auf etwa 130.000 Euro Jahresgehalt. Sie sind damit die ungekrönten Einkommenskönige unter den IT-Führungskräften.
Einen Ansatz zur Erklärung für den Rückgang oder nur geringen Gehaltszuwachs bei den Einsteigern liefert Bernhard Hohn, Fachmann für IT-Berufe bei der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung in Bonn: "In nahezu allen Stellenanzeigen wird Berufserfahrung verlangt." Deshalb profitieren vor allem Fachkräfte mit praktischer Erfahrung von der positiven Entwicklung am Informatiker-Arbeitsmarkt.
Ingesamt sind die Jobaussichten für IT-Spezialisten so gut wie schon lange nicht mehr. In der ITK-Branche sind aktuell rund 20.000 Stellen zu besetzen, wie eine Studie des Bitkom jüngst ergab. Gefragt sind vor allem Softwareentwickler, IT-Berater und IT-Projektmanager. Deshalb hat die IG Metall auch erstmals die Jobfamilie Projektmanagement in ihre Untersuchung aufgenommen. Das Einstiegsgehalt liegt hier im Schnitt bei rund 53.500 Euro, erfahrene Projektleiter verdienen knapp 86.000 Euro jährlich.
Auch freiberufliche Computerspezialisten können sich über höhere Honorare freuen. "Unsere Stundensatz-Auswertung zeigt im Jahresvergleich einen durchschnittlichen Anstieg um zwei Euro auf nun 68 Euro", so Karl Trageiser, Geschäftsführer von Gulp. Das Unternehmen vermittelt Freiberufler für IT-Projekte und hat 60.000 Profile gespeichert.
"Trotz der Honorarsteigerung sind wir aber noch Welten von den Sätzen aus den Boomzeiten entfernt, die um das Jahr 2000 bei weit über 70 Euro lagen", relativiert Trageiser die aktuelle Honorarentwicklung. Der Absturz der New Economy hat die Branche auf den Boden der Realität zurückgeholt – endgültig.
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