Von Klaus Werle
Verena Delius - 1. Platz
Kitzbühel - Wahrscheinlich gibt es leichtere Szenarien als den Business Case, um den sich Verena Delius und ihr Team kümmern müssen: Eine Versicherungsfirma aus der Schweiz will im südkoreanischen Markt Fuß fassen. Die Frage lautet: Ist es sinnvoll, zu diesem Zweck ein Unternehmen aus Südkorea namens Hankuk zu übernehmen oder eher nicht?
Es geht um den Unterschied zwischen Non-Life- und Long-Term-Versicherungen, um "Transaction-Analysen" und um die Kultur südkoreanischer Manager, die sich dann doch ein wenig unterscheidet von der Uhren-und-Schoko-Akkuratesse der Schweizer.
Delius redet schnell, die zahlreichen Nachfragen bringen sie nicht aus der Ruhe, und irgendwie schafft sie es, inmitten der Zahlenorgien den Überblick zu behalten und für die Hankuk-Übernahme eine "strategische Synergieprämie" von 110 Millionen Schweizer Franken zu ermitteln.
Dass sie Menschen begeistern kann, hat Delius, groß, blond, schlank, bereits eindrucksvoll bewiesen: Schon mit Anfang 20 gründete sie Bielefelds erstes Sushi-Restaurant; nach einer Stippvisite im Beteiligungsmanagement der Münchener Rück gründete sie 2004 ihre eigene Finanzbeteiligungsfirma "Delius Capital" und stemmte Projekte wie die Prospektierung geschlossener Fonds und den Aufbau eines Onlinehandels mit Tee. Da war sie 25.
Delius, deren Karriere künftig von Bayer-Chef Werner Wenning als Mentor begleitet wird, ist einer jener Menschen, die vor Energie geradezu vibrieren. Muss sie länger als zwei Minuten untätig sein, streicht sie sich nervös durchs Haar, die Knie beginnen zu wippen. Kaum erstaunlich, dass sie im Lebenslauf unter "Aktivitäten und Interessen" neben Fußball, Joggen und Skifahren angibt: "Neue Geschäftsideen, Businesspläne schreiben". Man wird wohl noch einiges hören von Verena Delius.
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