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26.02.2007
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Bewerbungen

Das offene Messer

2. Teil: Keine Rechtfertigung, kein Angriff

"Damit provoziert man nur Abwehrreaktionen"

Im zweiten Fall griff Krings spontan zur Stresstechnik, als er einem ausnehmend arroganten Hochschulabsolventen gegenübersaß. "Den habe ich gefragt, ob es nicht unter seinem Niveau sei, wenn er hier mit Leuten arbeite, die nicht studiert hätten", erinnert er sich. Die Antwort war entlarvend - mangels Sozialkompetenz bekam der Kandidat die Stelle nicht.

Selbsttest: Videoproben vor der Kamera
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Selbsttest: Videoproben vor der Kamera

Krings Ansicht nach zählt das Stressinterview zu den unfairen Techniken und dient auch nicht der Informationsgewinnung. Daher nutzt er es im Normalfall nicht: "Wenn sich ein Bewerber bei mir unwohl fühlt, habe ich als Personaler versagt." Auch im Assessment-Center versetzt Metro die Bewerber lediglich in berufstypische Stresssituationen. "Normale Zeitnot, normale Aufgaben", erklärt Krings. "Vielleicht mal ein etwas größeres Pensum, um herauszufinden, ob der Kandidat auch entscheiden kann, wann er 100 Prozent bringen muss und wann 80 reichen."

Auch Alexander Leschinsky, Seniorberater und Partner von Kienbaum Executive Consultants in Hannover, hat in zwölf Jahren lediglich ein Stressinterview mit angeschaut. Und auch er fühlte sich äußerst unwohl: "Da hatte der Vorgesetzte dem Bewerber eine aussichtslos scheinende Vertriebssituation vorgegeben und immer, wenn der Bewerber eine Antwort gab, noch eine neue Verschärfung ins Spiel gebracht."

Leschinsky empfiehlt das Instrument nicht - "weil Sie damit nur Abwehrreaktionen provozieren, und wir wollen an die Bewerber herankommen". Daher setzt Kienbaum selbst bei der Bewerberauswahl Stressinterviews nicht ein. "Bewerber sollten grundsätzlich davon ausgehen, dass potenzielle Vorgesetzte konstruktiv mit ihnen umgehen wollen", empfiehlt auch Jutta Boenig, Karriereberaterin und Inhaberin der Boenig Beratung in Überlingen.

Keine Rechtfertigung, kein Angriff

Selbst dann, wenn unangenehme Fragen kommen. Das kann passieren. Die Zuckerbrot- und Peitsche-Strategie, bei der Personalverantwortliche Elemente des Stressinterviews in ansonsten normal verlaufende Bewerbungsgespräche einflechten, ist Boenig zufolge weit verbreitet. "Bei fast allen Interviews werden auch mal Aussagen auf Widersprüche abgeklopft."

Beliebte Angriffsfläche: Adjektive. Mit ihnen sollte ein Bewerber sich möglichst wenig schmücken. "Stattdessen muss er nachts um zwei Uhr noch sagen können, was er kann und will und was das Unternehmen von ihm hätte", fordert Boenig. Am besten mit selbst erfahrenen Beispielen. Zwei Dinge sollten Bewerber niemals tun, wenn sie unfair unter Druck gesetzt werden, rät sie - sich rechtfertigen und auch selbst angreifen. "Damit sind sie schon ins offene Messer gelaufen." Besser sei, noch ein weiteres Beispiel oder eine weitere Erklärung zu geben.

In manchen Situationen ist Geduld aber nicht angebracht. Etwa bei der Frage: "Ihre Frau ist fremdgegangen, und Sie haben einen sehr wichtigen Termin - was tun Sie?", von der ein Kunde Boenig berichtete. In solchen Fällen sollten Bewerber ihrer Meinung nach aufstehen und gehen. "Das sollte ein Bewerber auch tun, wenn es im Gespräch weniger um Informationsgewinnung geht als darum, ihn schlecht zu behandeln."

Von Midia Nuri, Monster.de

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