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19.02.2007
 

Ingenieure

Versackt im Schweinezyklus

Von Peter Ilg

Kaum kommt die Wirtschaft in Schwung, wird das Getrommel lauter: Zehntausende von Ingenieuren und Informatikern fehlen, klagen die Branchenverbände. Sie geißeln die Situation und prophezeien angehenden Ingenieuren eine goldene Zukunft. Aber stimmt das wirklich?

"Beste Karrierechancen für junge Informatiker", "Einbruch der Anfängerzahlen seit 2000 um 30 Prozent": Mit diesen Schlagzeilen schmückte der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) zum Jahreswechsel eine Pressemitteilung, um Abiturienten in das Informatikstudium zu locken.

Informatiker gesucht: Viel Branchengeschrei um den Mangel an Fachkräften
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AP

Informatiker gesucht: Viel Branchengeschrei um den Mangel an Fachkräften

Die Standesvertreter erfüllen damit ihre Pflicht, schließlich gehört es zu den ureigenen Aufgaben einer Branchenlobby, für große Auswahl bei der Besetzung offener Stellen zu sorgen. Bundeskanzlerin Merkel hatte zum IT-Gipfel geladen, in den Medien fand der Hilferuf der Technologie-Firmen ein großes Echo.

Dumm nur, dass trotz allem Werbegetrommel niemand wirklich weiß, ob diese Berufe in einigen Jahren immer noch gefragt sein werden. Arbeitmarktprognosen sind meist schlechte Ratgeber bei der richtigen Berufswahl.

Die Statistiken lassen sich auch ganz anders interpretieren: Über viele Jahre hat die Zahl der Informatik-Studienanfänger nämlich stark zugenommen - 1995 waren es 13.000, zehn Jahre später fast 30.000. Den Erstsemester-Rekord verzeichnete das Fach im Jahr 2000, auf dem Höhepunkt des New-Economy-Rausches. Danach gab es eine Korrektur nach unten - weil in der auf den Boom folgenden Krise viele Absolventen auf der Straße landeten.

Lobbyisten fördern den Schweinezyklus

"Schweinezyklus" heißt dieser Arbeitsmarkt-Klassiker: Sind die Berufschancen prächtig, schreiben sich viele Studieninteressenten für ein Fach ein. Einige Jahre später suchen alle zur gleichen Zeit einen Job. Wenn sie scheitern, spricht sich das bei Abiturienten schnell herum - eine ständiges Auf und Ab.

Wer den Lockrufen von Bitkom und anderen Lobbyisten blind folgt, könnte böse enttäuscht werden. Zwar droht Unternehmen bei sinkenden Studienanfängerzahlen ein Mangel an Fachkräften - doch in welchem Maße und in welchen Branchen besonders stark, ist kaum absehbar. Dirk Fox zum Beispiel bescheinigt den Branchenverbänden eine "sehr spezielle Informationspolitik" und verbucht das unter dem alten Motto "Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast". Fox ist Geschäftsführer der Secorvo Security Consulting GmbH aus Karlsruhe. Das Beratungs- und Schulungsunternehmen ist auf Informationssicherheit und Datenschutz spezialisiert. 20 Mitarbeiter hat die Firma derzeit, je nach Geschäftsentwicklung sollen bis zu drei in diesem Jahr hinzukommen.

Einen Informatikermangel kann Fox nicht feststellen - und gerade die kleinen und mittelgroßen Firmen sind es, die neue Arbeitsplätze schaffen. Der Riese BMW beschäftigt rund 2000 Informatiker und hat zurzeit 20 offene Stellen für IT-Spezialisten, die "verhältnismäßig leicht" zu besetzen seien, wie der Automobilkonzern auf Anfrage mitteilt.

Ähnlich wie der Computerverband rührt auch der Verein Deutscher Ingenieure die Werbetrommel. Rund 22.000 offene Ingenieurstellen könnten aktuell nicht besetzt werden, deshalb gingen 3,7 Milliarden Euro Wertschöpfung verloren, beklagt VDI-Präsident Eike Lehmann.

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