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16.02.2007
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Extremjobber-Blog

Von Freaks und Übermenschen

6. Teil: Weitere Leserbeiträge

Benutzername: awtw

Flucht als Gemeinsamkeit: "Kann man die Flucht ins extrem-jobbing eventuell mit der Flucht vieler Arbeitsloser in die virtuelle Realität vergleichen?"
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Flucht als Gemeinsamkeit: "Kann man die Flucht ins extrem-jobbing eventuell mit der Flucht vieler Arbeitsloser in die virtuelle Realität vergleichen?"

Beitrag: Ich zweifle, ob die veränderten Rahmenbediungen eine höhere Arbeitsbelastung im wörtlichen Sinn zur Folge haben, also Blackberry & Co eine Reaktion oder nicht etwa - auch - ein bewußt eingesetztes Mittel (Aktion) sind. Betrachtet man sich die tatsächliche Effizienz der getroffenen Entscheidungen von Politik über prominente Beispiele aus der Wirtschaft, wie die Fusion Daimler Chrysler, kann man eher den Eindruck gewinnen, das die Rahmenbedingungen und diese Spezies von Entscheidern sich wechselseitig bedingen und förden. Die Qualität der Entscheidung wird zweitrangig, Hauptsache es wird eine getroffen und dies möglichst schnell. Wer vom Typus her nicht in der Lage ist, fundierte qualifizierte Entscheidungen zu treffen - die Zeit brauchen - fühlt sich naturgemäß in einem Umfeld, des schnellen "Entscheidungsdrucks" wohl, da es die Defizite in der Entscheidungsfindung rechtfertigt. Dementsprechend hat er ein veritables Interesse daran, diesen Druck auf ihn selbst aufrech zu erhalten.

Fazit: Es stellt sich die Frage, ob viele Entscheider heute diesen Druck nicht etwa brauchen bzw. selbst produzieren, um qualitative Mängel ihrer Analyse- und Entscheidungsfähigkeiten zu verdecken.


Benutzername: jozy_1972

Das neue manager magazin

Titel
Die Jagd auf Wiedeking
Der Ex-Porsche-Chef in den Fängen der Justiz

Beitrag: Für mich gehören ein anspruchsvoller, fordernder Job und ein erfülltes Privatleben zu meinem Leben. Ich möchte auf beides nicht verzichten. Gleichzeitig denke ich, dass die Arbeit in unserer Mentalität viel zu hoch bewertet ist. Ich sehe mich nicht nur als Arbeitstier und lasse mich auch nicht hierauf einseitig reduzieren. Ich habe ein Recht auf Regeneration, Ruhe, Ausgleich, Zeit für meine Hobbys, Sport, gesunde Ernährung. Das lebe ich auch so im Job vor. Wenn ich arbeite, macht es mir viel Spaß als Projektleiterin Probleme zu lösen und anspruchsvolle Arbeiten zu übernehmen. Ich werde persönlich und fachlich gefordert, kann mich weiter entwickeln und bekomme dafür eine attraktive Bezahlung.

Gleichzeitig sehe ich zu, dass ich möglichst häufig pünktlich gehe und den abend mit meinem Mann genieße. Soviel Freizeit hat man abends eh nicht mehr nach einem anstrengenden Tag. Am nächsten Morgen komme ich frisch und gut ausgeruht zur Arbeit und bin bereit, mich neuen Herausforderungen zu stellen. Ich denke, dass es Menschen gibt, die auch trotz einem extrem hohen Arbeitspensum gesund und glücklich sind. Aber meiner Meinung nach ist das die Ausnahme, nicht die Regel. Die meisten Arbeitnehmer reagieren unter dem hohen Druck anders: Schlechter Schlaf, Rückenprobleme, Kopfschmerzen, Bluthochdruck. Am Ende warten Burn out, Depressionen etc.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sich immer mehr Menschen diesem Druck entziehen werden. Weil: Ohne Gesundheit ist alles nicht. Was nützt mir das tollste Gehalt, wenn ich mit 40 oder früher einen Herzinfarkt bekomme und meiner Arbeit gar nicht mehr nachgehen kann? Ich denke, dass die extreme Einstellung, die wir jetzt haben, eine Phase ist, die auch wieder vorbei gehen wird.

Bin ich nicht bereit, mich in diese Spirale aus immer mehr Arbeit, Druck, permanenten Hyperstress reinziehen zu lassen, verliere ich eventuell meinen Job. Gleichzeitig steht mir aber eine ganz andere Erfahrung bevor: Die Lebensqualität steigt und mann kann die Arbeit aus einer anderen Perspektive betrachten, z.B. mit viel mehr Distanz. Lebensglück ist für mich nicht die Arbeit alleine, sondern eine gesunde Mischung aus Arbeit, Familie, Freundschaft, Liebe, Freizeit, Gesundheit. Die Arbeit ist nur ein beschränkter Teil hiervon, andere Lebensbereiche finde ich genauso wichtig.

Ich denke, dass die letzten wirtschaftlich turbulenten Jahre in Deutschland vieles relativiert haben. In Phasen der Arbeitslosgkeit empfinde ich mich nicht als Mensch, der wenig wertvoll ist, sondern einfach als einen Menschen, der mal mehr Zeit für sich hat. Wann immer es ging, habe ich zu dieser Zeit als freie Projektleiterin gearbeitet und viele neue Erfahrungen gemacht. Das hat mich entspannter und weniger ängstlich im Job gemacht. Heute kann ich freundlich und bestimmt meine Forderungen stellen und stimme nicht automatisch allem zu. Das tut mir sehr gut und ich bin sehr zuversichtlich, dass ich meine Arbeit auch noch in vielen Jahren gesund und mit viel Spaß ausführen kann.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass Arbeit menschlicher wird. Im Endeffekt tun wir unsere Arbeit für Menschen und ein positives Leben. Ich sehe Geld nicht über allem anderen, sondern als Mittel für ein angenehmes Leben. Für mich ist Geld nicht Selbstzweck. So kann ich mich auch fragen, wieviel Geld brauche ich wirklich. Wenn ich nicht noch mehr brauche, kann ich zugunsten einer höreren Lebensqualität Stress aus meinem Leben reduzieren und mehr Zeit damit verbringen, mein Leben zu geneßen. Ich möchte nicht eines Tages feststellen, dass mein Leben zum Großteil daraus bestanden hat, die Taschen von anderen durch meine Arbeit zu füllen. Alles hat seine Grenzen, auch die Arbeit. Lässt man sich von der extremen Verherrlichung der Arbeit anstecken, zahlt man unter Umständen einen hohen gesundheitlichen Preis. Dem Arbeitgeber ist das egal, schließlich ist man im Ernstfall schnell ersetzt. Der einzige, dem es nicht egal ist, ist man selber. Ich sehe deshalb nicht nur eine hohe unternehmerische Verantwortung im Job dem Arbeitgeber gegenüber, sondern in erster Linie sich selbst gegenüber. Achtet man nicht selbst auf Warnzeichen des Körpers wird es auch kein anderer tun. Eventcharakter beim Arbeiten hin oder her.

Jozy


Benutzername: fwb

Beitrag: "Als sie das Ziel aus den Augen verloren, verdoppelten sie ihre Anstrengungen." ... ich glaube, dieses Zitat von Mark Twain passt gut zur zappeligen Rastlosigkeit die heute in den Führungsetagen vorherrscht.

Warum?

Kann man die Flucht ins extrem-jobbing evetuell gar mit der Flucht vieler Arbeitsloser in die virtuelle Realität vergleichen?

Ich kenne Menschen aus beiden Bereichen und stelle erschreckende Gemeinsamkeiten fest. Ob nun im sozialen Verhalten oder der Suche nach Selbstbestätigung.

Es wird zwar mehr gearbeitet aber es wird auch ineffizienter gearbeitet. Wieviel unnötige Arbeitsstunden mussten Angestellte schon leisten, weil die Chefs schnelle und unüberlegte Entscheidungen getroffen haben.


Benutzername: huddelduddel

Beitrag: ja, der job. vieles kann ich bestätigen. aber - es kommt immer darauf an, ob man auch alles mit sich machen läßt. mein break hatte ich, als ich zufällig in einer wochenzeitschrift eine kurze "bemerkung" las: "nur bedienstete müssen immer erreichbar sein."

Es handelte damals um die notwendigkeit ein handy zu haben oder nicht. ich brachte diese aussage in verbindung mit dem spruch einer meiner professoren der uns immer mahnte: "führungskraft kommt von führen und führen heißt loslassen." dieses loslassen ist lernbar. bei geeigneten, gut ausgebildeten mitarbeitern kann ich deligieren, einiges an arbeit verteilen, was nicht heißen soll, daß dieser dann mit aufgaben zugemüllt wird.

also wer dies nicht kann oder will ist selbst schuld!


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