Von Simon Hage
mm.de: Siemens galt bislang als Traditionskonzern mit ausgeprägter Unternehmenskultur. Korruption gab es dennoch.
Schott: Bei Siemens haben zum einen offenbar sämtliche Kontrollsysteme versagt. Zum anderen ist die Unternehmenskultur vermutlich zu wenig vorgelebt, ihre Bedeutung zu wenig betont worden. Es hätte wohl schon viel früher ein Vorstand aufstehen und erklären müssen, dass er die Korruption klar verurteilt und ihre Bekämpfung zu seiner persönlichen Sache macht. Das wäre ein eindeutiges Signal gewesen: Hört her, bei uns gibt es so etwas nicht - selbst wenn Schmiergeldzahlungen im internationalen Geschäft üblich sein mögen.
mm.de: Wie kann eine Führungskraft das rechte Maß für ihr Handeln finden?
Bilgri: In Gehaltsfragen darf sich ein Manager seiner Leistung und seiner Verdienste durchaus bewusst sein, er sollte jedoch seine eigene Gier zähmen und Extreme meiden - nach oben wie auch nach unten. Er muss das rechte Maß auch im Umgang mit den Menschen finden. Dazu ist es erforderlich, den anderen richtig einzuschätzen und dabei von den eigenen Vorstellungen loslassen zu können. Das bedeutet: Nehme die Talente an, die in deinem Mitmenschen stecken. Lerne zurückzustecken und versuche, nicht immer nur den eigenen Willen durchsetzen zu wollen.
Schott: In Bezug auf die Managergehälter verweisen deutsche Manager oft auf die hohen Bezüge ihrer amerikanischen Kollegen. Ein solcher Vergleich ist kein rationales Argument. Man darf Gehaltsforderungen niemals von der eigenen Leistung entkoppeln. Deshalb ist es sehr wichtig, sich selbst zu erkennen und regelmäßig die eigenen Stärken und Schwächen zu analysieren.
mm.de: Was hat ein Manager zu befürchten, der ein zu hohes Gehalt verlangt oder arrogant mit den Kollegen umspringt?
Bilgri: Wer maßlos ist, verliert an Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Damit löst sich der Kitt eines unternehmerischen Miteinanders auf. Ich muss einer Führungskraft vertrauen können - gerade wenn unangenehme Entscheidungen getroffen werden. Unternehmen, in denen ein Klima des Misstrauens herrscht, arbeiten nicht effektiv.
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