Von Tobias Kollmann
Me- statt E-Business
Der Internetforscher Andreas Weigend hat diesen Begriff ins Spiel gebracht. Während er aus seiner Sicht aber den sozialen Aspekt der Vernetzung in den Vordergrund stellte, kann der Begriff aus meiner Sicht auch eine kommerzielle Perspektive öffnen. Die "pauschale" Informations- und Angebotsflut in den Datenbanken macht es dem Nachfrager nämlich oftmals unmöglich, ein dem individuellen Bedürfnis entsprechendes Angebot zu finden.
Es ist daher das Bedürfnis selbst ("me"), welches es elektronisch zu erfassen und zu befriedigen gilt. Der Kunde möchte nicht lange und erfolglos auf verschiedenen Plattformen nach dem passenden Objekt suchen, er möchte direkt ein persönlich auf ihn zugeschnittenes Angebot haben.
Es wird also in Zukunft zunehmend wichtig sein, über Requestsysteme zur Erfassung der Nachfrage noch näher am Kunden zu sein. Der Erste, der das Bedürfnis des Kunden kennt, kann auch ein Angebot unterbreiten. Frei nach dem Sprichwort: Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muss der Prophet eben zum Berg kommen.
Man darf gespannt sein, welche neuen Konzepte hier am Markt zu beobachten sein werden, die dann auch Grundlage von neuen Unternehmen sein könnten. Dabei konnten in der Vergangenheit durchaus schon einige Requestsysteme am Markt beobachtet werden. Vielleicht ist die Zeit jetzt reif für ein Comeback.
Ein aktuelles Beispiel aus der Welt des (M)E-Business ist die Internetseite Askerus: Ein innovatives Nachfragerportal für Urlaubssuchende, das von zwei Studenten der Universität Duisburg-Essen entwickelt wurde. Auch in Bezug auf die Suche und Buchung von Reisen im Internet trifft das Sprichwort "Wer sucht, der findet" nämlich weitgehend nicht mehr zu.
Individuell zugeschnittene Angebote
Hauptursache dafür ist die pauschale Angebotsflut, die es Reisewilligen aufgrund von Zeitaufwand und Reizüberflutung oftmals unmöglich macht, das passende Angebot zu finden. Und ebenso resultiert aus dieser "Angebotsschwemme" auch für die Anbieter ein Weniger an "Wiedererkennungswert" – denn sie werden mitunter schlichtweg übersehen.
Tobias Kollmann
ist Inhaber des Lehrstuhls für E-Business und E-Entrepreneurship an der Universität Duisburg-Essen
Unabhängig davon, mit welchen Ansätzen man auf Angebots- und Nachfragerseite versuchen wird, die im Web vorherrschende Informationsflut in den Griff zu bekommen, ist eines sicher: Das Web der Zukunft bietet einen fast unendlichen Spielraum für innovative Geschäftsideen, bei denen der individuelle Nutzer mehr denn je im Mittelpunkt stehen wird!
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