Was ist eigentlich
Seed Capital?
Ein eigenes Unternehmen zu gründen, ist für viele ein lang gehegter Traum. Mit seinem Kompakt-Lexikon für Unternehmensgründungen gibt Herausgeber Tobias Kollmann Firmenchefs in spe einen Leitfaden an die Hand. manager-magazin.de präsentiert wöchentlich einen Auszug aus dem Lexikon.
1. Begriff
Seed Capital sind Finanzierungsmittel, die zur Deckung des Kapitalbedarfes in der Frühphase der Unternehmensentwicklung (Seed-Phase, Finanzierungsphasen) eingesetzt werden. Seed Capital stellt eine Teilmenge der zur Gründungsfinanzierung einsetzbaren Instrumente dar.
Tobias Kollmann (Hrsg.): "Gabler Kompakt-Lexikon Unternehmens-
gründung"; Gabler 2005, 352 Seiten, 24,90 Euro.
2. Merkmale
Die Anwendbarkeit der Finanzierungsinstrumente wird stark von den Besonderheiten der Unternehmen in der Seed-Phase bestimmt. So verfügen diese Unternehmen wegen ihrer kurzen Historie kaum über Vergangenheitsdaten, auf die sich Prognosen der zukünftigen Entwicklung stützen könnten. Aus dem gleichen Grunde haben sie auch selten Anlagevermögen in nennenswerten Umfang, das beispielsweise zur Besicherung eingesetzt werden könnte.
Schließlich sind Umsätze entweder noch nicht vorhanden oder im Verhältnis zu den Aufwendungen gering. Dadurch verfügen die Unternehmen nur über geringe Liquiditätsreserven, was die Möglichkeiten zur Zahlung laufender Finanzierungsentgelte einschränkt.
Prinzipiell stehen verschiedene Finanzierungsinstrumente zur Auswahl, um daraus eine strukturierte Finanzierung zu entwickeln:
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Fremdkapital: Fremdkapital kann zunächst in Form öffentlicher Fördermittel (Gründungsförderung) bezogen werden. Auf die Besonderheiten in der Seed-Phase sind die Förderdarlehn durch tilgungs- und teilweise auch zinsfreie Anfangsjahre angepasst. Die Liquidität des Unternehmens wird dadurch in der Anfangsphase nicht belastet. Vorteilhaft sind weiter die unter Marktniveau liegenden Finanzierungskosten. Nachteilig sind dagegen die begrenzte Verfügbarkeit und die bürokratische, zeitintensive Antragstellung. Ferner bedingt auch ein Förderdarlehn die persönliche Haftung des oder der Gründer, da andere Sicherheiten in der Regel nicht zur Verfügung stehen.
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Eigenkapital: Eigenkapital kann zum einen von Personen aufgebracht werden, deren Motive nicht vollständig dem Ansatz rationaler Finanzinvestoren entsprechen.
Dazu zählen als wichtigste Quelle in der Seed-Phase zunächst die Gründer des Unternehmens selbst. Sie bringen Kapital und Arbeitszeit ein und erwarten Wertsteigerungen und Gewinnanteile sowie Gehalt als Vergütung. Das von den Gründern aufgebrachte Kapital reicht jedoch häufig zur vollständigen Finanzierung nicht aus. Weiter können sich die Familie der Gründer oder andere nahe stehende Personen am Unternehmen beteiligen (Family and Friends-Kapital). Diese Finanzierungsmöglichkeit birgt das Risiko, nicht nur das finanzielle Schicksal des Gründers, sondern auch das seines Umfeldes eng mit der Entwicklung des Unternehmens zu verknüpfen. Auch hier werden die Finanzierungsbeiträge in der Regel begrenzt sein.
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Zuschüsse: Nicht direkt in die Systematik von Eigen- und Fremdkapital einzuordnen ist die Finanzierung über einen Zuschuss der öffentlichen Hand. Vorteil aus Sicht des Unternehmens sind niedrige beziehungsweise keine Finanzierungskosten. Nachteilig ist die vorgeschriebene Verwendung der Mittel, die häufig auf Sachinvestitionen oder Forschungstätigkeiten ausgerichtet ist. Ferner bindet ein Zuschuss das Unternehmen an einen Standort (Fördergebiet beziehungsweise Bundesland).
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