"Zuwanderung nicht auf Knopfdruck"
Solche Forderungen stoßen jedoch teils auf wenig Gegenliebe. Vertreter von Gewerkschaften und aus der Politik machen vor allem die Unternehmen für die Probleme verantwortlich. Auf die trüberen Konjunkturaussichten früherer Jahre hätten viele Firmen mit Einstellungsstopps und dem Einsatz unbezahlter Praktikanten reagiert. Da sei es kein Wunder, dass sich der hoch qualifizierte Nachwuchs eher in Länder wie die USA oder die Schweiz orientiert, wo eine gute Ausbildung auch entsprechend honoriert werde.
Vor allem müsse es jetzt darum gehen, die derzeit rund vier Millionen Arbeitslosen ins Erwerbsleben einzubinden. Doch DIHK-Experte Heikaus gibt zu bedenken: "Viele Langzeit-Arbeitslose haben keine abgeschlossene Berufsausbildung und können die größer werdende Fachkräfte-Lücke zumindest kurzfristig kaum schließen."
Aber auch Hochschulen kritisieren eine unstete Personalpolitik vieler Unternehmen. "Wir können an den Universitäten keine Just-in-time-Produktion von Absolventen leisten", sagt Bernd Huber, Rektor der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). Die LMU als eine der drei ersten Elite-Unis in Deutschland will unter anderem mit strafferen Berufungsverfahren und speziellen Programmen für Nachwuchswissenschaftler dem Spitzenkräfte-Schwund entgegensteuern.
Doch dabei gilt es, schnell zu handeln. Schon jetzt zeichne sich ab, dass nach der Phase der Produktionsverlagerungen auch höher qualifizierte Tätigkeiten wie Forschung und Entwicklung ins Ausland gegeben werden, sagt Sörge Drosten von der Unternehmensberatung Kienbaum.
Und ifo-Experte Werding mahnt vor allem angesichts des demografischen Wandels zu raschem Handeln: Da der Fachkräftebedarf künftig noch wachsen werde, müsse sich Deutschland bald attraktiver machen für qualifizierte Bewerber aus dem Ausland. "Es wird oft so getan, als hätten wir noch bis 2012 oder 2013 Zeit, aber das ist nicht wahr. Zuwanderung funktioniert nicht auf Knopfdruck."
Christine Schultze, dpa
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