Von Simon Hage
mm.de: Wie laufen solche Treffen ab?
Gradinger: Die Mitglieder hören sich einen Vortrag an und überlegen, wie sie das nächste soziale Projekt organisieren können. Dann werden Aufgaben verteilt - beispielsweise, wer einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt organisieren soll.
mm.de: Bei Serviceclubs geht es also letztlich eher um Wohltätigkeit als um reines Karrierestreben.
Gradinger: Auf jeden Fall. Round Table Deutschland zum Beispiel organisiert das Projekt "Children's Wish", dessen Schirmherrschaft Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen übernommen hat. Wir ermöglichen dabei schwerkranken Kindern, sich einen Wunsch zu erfüllen. Wenn ein kranker Junge einmal in einem Cockpit mitfliegen möchte, genügt ein Anruf bei einem Clubfreund, der bei einer großen Fluggesellschaft arbeitet. Dann gab es das Beispiel eines Jungen, der in einem großen Bagger mitfahren wollte. Um das zu ermöglichen, mussten wir nur einen Bauunternehmer im Club kontaktieren.
mm.de: Das klingt sehr begrüßenswert. Aber denken wirklich alle Clubmitglieder derart uneigennützig? Oder gibt es auch egoistische Motive für einen Beitritt?
Gradinger: Ich habe Interviews mit Clubmitgliedern in ganz Deutschland geführt, um ihre Motive herauszufinden. Es hat sich herausgestellt, dass sehr viele ältere und beruflich sehr erfolgreiche Mitglieder das Bedürfnis hatten, etwas Gutes für andere zu tun. Das ist die altruistische Komponente.
Doch was nützt die Mitgliedschaft dem einzelnen Mitglied selbst? Ein Motiv ist hierbei die Suche nach Freunden außerhalb des eigenen Bekanntenkreises. Für die meisten Clubmitglieder besteht der Eigenwert einer Mitgliedschaft allerdings darin, ihren Horizont zu erweitern. Zweimal im Monat treffen sich Menschen aus völlig verschiedenen Berufen. Der Handwerker kann sich beispielsweise mit dem Chefarzt unterhalten. Auf der Straße hätten sich die beiden vermutlich nie kennengelernt.
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