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24.11.2006
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Führung

"Wir haben zu wenig gute Manager"

Von Marleen Gründel

6. Teil: "Wissen, worüber Du redest"

mm.de: Um verschiedene Unternehmenskulturen beispielsweise bei Fusionen zusammenzubringen, gehen Sie getreu nach den Vorgaben Ihres Mentors, dem deutschen Wirtschaftsethiker Rupert Lay, immer über die Philosophie und nicht über die Psychologie oder die Theologie. Warum?

Philosoph Sokrates: "Du musst wissen, worüber du redest, wenn Du etwas sagst, weil es sein kann, dass Dir einer zuhört."
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DPA

Philosoph Sokrates: "Du musst wissen, worüber du redest, wenn Du etwas sagst, weil es sein kann, dass Dir einer zuhört."

Löhner: Um zwei verschiedene Kulturen aufeinander einzustimmen, braucht man etwas, das beide verstehen und akzeptieren. Die Psychologie arbeitet sehr viel mit Modellen, aber je nach Kulturkreis werden diese unterschiedlich angenommen. Ähnlich sieht es bei der Theologie aus: Vertreter von zwei verschiedenen Religionen kann man nicht über ihren Glauben zusammenbringen.

Aber die Philosophie, die einfach nur sagt "Du musst wissen, wovon Du redest", dagegen kann keine Nation, keine Ethnie und keine andere Religion etwas sagen. Diese Aussagen muss jeder akzeptieren. Deswegen ist die Philosophie das geeignete Instrument für solche Zusammenführungen.

mm.de: Sie zitieren im Zusammenhang mit Ihrer Beratung gern folgende Lehre von Sokrates: "Du musst wissen, worüber Du redest, wenn Du etwas sagst, weil es sein kann, dass Dir einer zuhört". Erleben Sie das häufig in den Unternehmen, dass die Manager nicht wissen, worüber sie eigentlich reden?

Löhner: Ja, in Bezug auf die Führung von Mitarbeitern ist das ein entscheidendes Problem. Und die Philosophie bietet einen hervorragenden Ansatz, den Managern in diesem Fall auf die Sprünge zu helfen.

Ich verwende dafür unter anderem zwei Lehrsätze von Sokrates. Der erste, den Sie gerade zitiert haben, verdeutlicht den Grund für die Schwierigkeit der Führungskräfte, ihre Mitarbeiter zu ideologisieren: Sie wissen einfach nicht, wovon sie reden, wenn sie sagen, "Wir müssen einander vertrauen und respektieren" oder "Ich erwarte Loyalität". Diese weichen Begriffe sind in den oberen Etagen meist schlecht intellektuell aufgearbeitet, das heißt die Definition dieser Begriffe fehlt schlichtweg. Gespräche über diese immateriellen Unternehmenswerte können daher auch nicht von den Managern orientierend geführt werden.

Michael Löhner: "Führung neu denken. Das Drei-Stufen-Konzept für erfolgreiche Manager und Unternehmen"; Campus Verlag, 253 Seiten, 29,90 Euro. Buch bestellen

Doch nur wenn die Mitarbeiter von einer charismatischen Persönlichkeit davon überzeugt werden, warum sie bestimmte Aufgaben nun anders erledigen sollen, lassen sich Veränderungen in einem Unternehmen leicht und schnell durchsetzen. Schon Nietzsche sagte: "Nur wer ein Warum hat, erträgt jedes Wie". Der Lehrsatz soll deshalb dazu beitragen, die Manager in ihrer intellektuellen Verantwortung zu kitzeln.

Der zweite Ansatz von Sokrates lautet: "Sprache bestimmt den Umgang mit Menschen, nicht Absichten". Die Führungskräfte müssen darauf trainiert werden, anständig mit ihren Mitarbeitern zu reden, denn nur durch Worte werden Menschen größer - aber eben auch kleiner. Diese Aussage haben wir auch zu unserem Credo gemacht: Wir wollen, dass Menschen im Umgang miteinander größer werden.

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