Düsseldorf/Frankfurt am Main - Der ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Otmar Issing, wird einen Posten bei der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs
übernehmen. Wie Issing dem "Handelsblatt" sagte, wird er nicht in das operative Geschäft eingebunden.
Bei dem "lockeren Beratungsverhältnis" gehe es vorrangig um seine Erfahrung in der Analyse der globalen und der europäischen Wirtschaftsentwicklung. Ein Sprecher von Goldman Sachs wollte die Zusammenarbeit gegenüber manager-magazin.de weder bestätigen noch dementieren.
Vor Abschluss der Vereinbarung mit Goldman Sachs hat Issing das Einverständnis des EZB-Rates eingeholt, was die EZB dem "Handelsblatt" bestätigte. Nach eigener Aussage kommt Issing nicht in Konflikt mit dem Verhaltenskodex für Mitglieder des EZB-Rates. Der Kodex sieht vor, dass Mitglieder des EZB-Rates innerhalb des ersten Jahres nach Ausscheiden keine Position übernehmen dürfen, in der es zu einem Interessenkonflikt mit ihrer früheren Tätigkeit kommen könnte. Dies wäre gegeben, wenn Issing zum Beispiel zur Deutschen Bank
ginge, mit der die EZB Geldmarktgeschäfte tätigt.
Der 70 Jahre alte EZB-Chefvolkswirt war Ende Mai nach acht Jahren Amtszeit in Rente gegangen. Im Juni war der aus Würzburg stammende Ökonom zum neuen Präsidenten des Center for Financial Studies (CFS) gewählt worden. Das Finanz-Forschungsinstitut ist an die Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt angegliedert, wird aber unabhängig finanziert.
manager-magazin.de mit Material von dpa
© manager magazin Online 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH