Von Simon Hage
mm.de: Frau Asgodom, in einem Ihrer Bücher fordern Sie mehr Gelassenheit im Job und damit einen Abschied von der Perfektion. Was meinen Sie damit?
Sabine Asgodom, Jahrgang 1953, ist Managementtrainerin, Selbstvermarktungsexpertin und Buchautorin. Nach einer Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München arbeitete sie unter anderem bei der Tageszeitung "TZ" als Redakteurin und als Ressortleiterin bei der Zeitschrift "Cosmopolitan". Seit 1999 ist die zweifache Mutter mit ihrem Unternehmen "Asgodom live" selbstständig. Zu ihren Klienten zählen Unternehmen wie DaimlerChrysler, Dresdner Bank, Novartis, Fraport und Credit Suisse.
mm.de: Klingt gut, aber wie schafft man das alles?
Asgodom: Es gibt zwölf Schlüssel zur Gelassenheit. Einer davon ist Achtsamkeit. Das bedeutet, dass ich sehr aufmerksam Informationen einhole und mich nicht überraschen lasse. Das schönste Beispiel: Ich habe einmal einen Mann erlebt, der stinksauer war, weil nicht er den erwünschten Posten bekommen hat, sondern ein Kollege.
Wir haben dann herausgefunden, dass es schon vorab ganz viele kleine Anzeichen für diesen Schritt gegeben hatte, die der Mann aber nicht wahrgenommen hat - und folglich auch nichts dagegen unternehmen konnte. Der Chef hatte den Kollegen des Mannes immer wieder gelobt, die beiden sind sogar zusammen in den Urlaub gefahren. Wenn man blind durchs Arbeitsleben geht, dann wird man überrascht und enttäuscht.
Der zweite Schlüssel zur Gelassenheit ist die Balance. Wer einen schlechten Energiehaushalt hat, der kann nicht gelassen sein. Wir müssen uns darum bemühen, immer wieder Energie zu tanken. Wenn Leute bis zehn oder elf Uhr abends im Büro sitzen, dann geht das irgendwann schief: Man läuft Gefahr, am Burn-out-Syndrom zu erkranken. Ein typisches Anzeichen dafür ist Jähzorn. So weit kommt es, wenn die eigene Energie am unteren Level angelangt ist. Leider ist es zurzeit en vogue, Stress zu haben. Wer zu viel Freizeit hat, ist ein Loser.
mm.de: Hat man heutzutage überhaupt eine andere Wahl, als an seine Belastungsgrenzen zu gehen? Wird das von Arbeitgebern nicht vorausgesetzt?
Asgodom: Es wird tatsächlich häufig verlangt, an die Grenzen zu gehen. Aber wer sich stark verausgabt, kriegt dafür trotzdem keine Meriten. Ich habe festgestellt, dass diejenigen Leute, die sagen können: "Bis hierhin und nicht weiter!", mehr Respekt bekommen als diejenigen, die sich scheuchen lassen. Wer Verantwortung für andere übernehmen will, muss zunächst einmal Verantwortung für sich selbst übernehmen. Ich propagiere, dass man sein eigener Lebensunternehmer werden muss. Das heißt, dass ich aktiv mein Leben gestalte und mich nicht von anderen schubsen lasse.
© manager magazin Online 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH