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05.10.2006
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Karriere

Fluch und Segen der Mobilität

2. Teil: Je früher, desto besser

Je früher, desto besser

Menschen, die wegen ihres Berufs umziehen müssen, sollten deshalb alle Chancen ergreifen, neue soziale Beziehungen zu etablieren. Das rät Gerhard Raab, Psychologe an der Fachhochschule Ludwigshafen. Alte Freunde sollten über den neuen Freundschaften aber nicht vernachlässigt werden.

Immer auf Achse: Wer pendelt, verliert seinen sozialen Mittelpunkt
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Immer auf Achse: Wer pendelt, verliert seinen sozialen Mittelpunkt

Ob und wie ein Wechsel von Wohnort und Beruf verkraftet wird, hänge auch von der eigenen Persönlichkeit ab, sagt Raab. Von manchen werde der Wechsel als Herausforderung und Chance begriffen, andere nehmen dieselbe Situation eher als Belastung wahr. So gingen Menschen, die ihr Leben eher selbst in die Hand nehmen, einfacher damit um, als Menschen, die weniger selbstbestimmt sind. Der Gruppe der "high sensation seekers", die ihr Leben durch besondere Ereignisse interessanter machen wollen, mache Umzüge wenig aus.

Viele Menschen scheuen sich nach Untersuchungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg vor einem Umzug: Sie pendeln lieber. Doch auch unter der ständigen Fahrerei leiden soziale Bindungen. "Mobilität bei Fernpendlern, Wochenendpendlern oder Fernbeziehungen erzeugt Stress und wirkt sich negativ auf die Gesundheit aus", sagt Norbert Schneider, Mobilitätsforscher an der Gutenberg-Universität in Mainz. Die Beziehungen zu Freunden und Familie litten unter dem chronischen Zeitmangel der Pendler. Müdigkeit am Wochenende führe dazu, dass sie sich von ihrem Partner und ihren Kindern entfremdeten - wenn sie überhaupt soweit gekommen sind, eine Familie zu gründen.

Um sich auf Mobilität im Beruf vorzubereiten, helfen Auslandsaufenthalte während Schulzeit, Lehre und Studium, sagt Raab. "Je früher das eingeübt wird, desto eher merken Sie, ob Sie damit umgehen können." Gelingt der Neustart in fremder Umgebung einmal, werde er später als etwas Positives eingeschätzt. "Und er ist dann nicht mehr mit Ängsten verbunden." Arbeitgeber sollten ihre Angestellten unterstützen: "Es muss ein Einklang gefunden werden zwischen Beruf und Familie", sagt Raab.

Denn Mitarbeiterzufriedenheit, das zeigten zahlreiche Studien, wirke sich positiv auf die Produktivität aus. Beschäftigte, die nicht mit beruflich bedingten Familienproblemen zu kämpfen haben, können sich voll für ihr Unternehmen engagieren. Arbeitgeber sollten das auch langfristig sehen: "Wenn Arbeitnehmer überhaupt keine Unterstützung bekommen und unglücklich sind, ist die Konsequenz doch, dass sie dann zurückwollen."

Annika Graf, dpa

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