Mainz/Dortmund - Doch genau das ist die Sorge vieler Angestellter, wie eine Umfrage im Rahmen des Eurobarometers, eine Umfrage der Europäischen Kommission, zeigt: Während etwa die Hälfte (46 Prozent) der Europäer Mobilität im Beruf positiv sehen - nur 11 Prozent bewerten sie negativ -, machen sich bei der Frage nach Auswirkungen auf das Familienleben Zweifel breit. Nur noch ein Drittel erwartet positive Effekte, ebenso viele befürchten negative Folgen von Umzügen über größere Distanzen.
Doch aus der Wirtschaft kommen eindeutige Signale: "Wer sich beruflich weiterentwickeln will, von dem wird automatisch Mobilität erwartet", sagt Michael Kastner, Wirtschaftspsychologe an der Universität Dortmund. Sonst brauche er sich gar nicht erst zu bewerben. Und Martin Diewald, Soziologe an der Universität Bielefeld, erklärt: "Die Flexibilitätserwartung ist im Prinzip die positive Antwort auf die Hire-and-Fire-Mentalität in anderen Ländern." Mitarbeiter werden eben nicht entlassen, sondern müssen ihren Arbeitsort wechseln - manchmal ohne Rücksicht auf Verluste.
Wer sich im Gespräch mit seinem Chef aus persönlichen Gründen gegen den Vorschlag wendet, an einem anderen Ort zu arbeiten, wirft sich damit gerade bei Bewerbungen aus dem Rennen, sagt Alexander Leschinsky aus Hannover, Partner der Personalberatung Kienbaum. "Das ist im Prinzip eine andere Formulierung für die Aussage, dass Ihre Priorität auf dem Privatleben liegt", sagt Leschinsky. Ob persönliche Einwände wie Familienplanung oder eine feste Beziehung toleriert werden, hänge extrem von der Unternehmenskultur ab.
Letztlich sei die Entscheidung eine Güterabwägung zwischen Job und Privatleben, so der Personalberater. Betroffene müssten sich mit der Frage auseinandersetzen "Pendle ich oder ziehe ich komplett um?" Die Umzugskosten übernehme dabei meistens das Unternehmen. Die sozialen Kosten müsse der Einzelne selbst tragen.
Gerade die können jedoch hoch sein: Freunde, Familie - das gesamte soziale Umfeld - fehlen plötzlich. Und das ist nicht ohne, denn dieses soziale Netz ist wichtig für die psychische Gesundheit, sagt Psychologe Kastner. Sie schaffen ein Gefühl der Zugehörigkeit und der sozialen Identität, ergänzt Soziologe Diewald. "Das brauchen die Menschen genauso wie Essen und Trinken." Und auch im Berufsleben geht es nicht ohne Netzwerke: Gute Kontakte seien wichtig, um Einfluss zu gewinnen und Ziele zu erreichen.
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