"Ein Abbruch muss kein Mangel sein"
Lang andauernde "Hängepartien" wirken sich nicht zuletzt negativ auf die Chancen am Arbeitsmarkt aus. "Ein früher Abbruch ist besser, als wenn dieser erst relativ spät im Studium erfolgt", sagt Erhard Stahl, Personal- und Arbeitsvermittler beim ECS Personal Service in Idstein.
Wer schon viele Semester hinter sich hat, könne zum Beispiel eine einsemestrige Pause einlegen. In dieser Zeit kann nachgeholt werden, was in den vergangenen Semestern versäumt wurde, um doch noch zu einem Zertifikat zu gelangen. Die derzeitige Umstellung der Studienstrukturen auf den Bachelor dürfte dem Langzeitstudium künftig ohnehin ein Ende bereiten: "Das Studium wird wesentlich verschulter und die Leistungskontrollen intensiver", sagt Bollinger.
Um einem Abbruch vorzubeugen, ist eine gründliche Vorbereitung auf das Studium sinnvoll. "Es muss eine wirkliche Auseinandersetzung mit dem gewählten Fach und dem späteren Berufsfeld stattfinden", betont Awe. Alle verfügbaren Informationen sollten gesammelt und kritisch hinterfragt werden. Ein "Tag der offenen Hochschule" helfe dabei ebenso wie ein Gespräch mit Studierenden der höheren Semester.
Der Entschluss, die Uni ohne Abschluss zu verlassen, ist einer Bewerbung nicht unbedingt abträglich: "Ein Studienabbruch muss kein Mangel sein", sagt Awe. "Oft zeugt er von einer wohlbedachten Kurskorrektur." Für die Bewerbung bei einem potenziellen Arbeitgeber sollten im Lebenslauf Fach und Dauer des Studiums mit der Anmerkung "ohne Abschluss" aufgeführt werden.
Keinesfalls sollten Interessenten bereits im Anschreiben versuchen, den Studienabbruch zu rechtfertigen: "Sätze wie 'Mein Studium habe ich abgebrochen, weil ...' sind ein K.O.-Kriterium", warnt Stahl. Im Vorstellungsgespräch würden Personaler ohnehin nach den Gründen fragen.
Studienabbrecher befinden sich übrigens in guter Gesellschaft: Bill Gates, Steven Spielberg, Günther Jauch - die Liste prominenter Abbrecher ist lang. Dass sie Vorlesungen und Seminaren den Rücken kehrten, hat ihrer Karriere nicht geschadet. Wer dennoch mit sich selber hadert, sollte professionelle Hilfe suchen. "Wird der Studienabbruch als Versagen statt einer neuen Chance erlebt, hilft es oft, sich gründlich mit der Situation auseinanderzusetzen und ihr auf den Grund zu gehen", rät Diplom-Psychologin Bollinger.
Sabine Schrader, dpa
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