Von Eva Buchhorn
Vor der "Kampagne", wie die Outplacementberater die Bewerbungsphase nennen, steht die schonungslose Auseinandersetzung mit sich selbst. Klienten müssen sich Fragen stellen wie: Warum bin ich gekündigt worden? Passte ich vielleicht schon lange nicht mehr in die Firma?
In diesen Sitzungen geht es nicht darum, alte Wunden aufzureißen. Die Selbsterfahrung dient der zielbewussten Vorbereitung auf den Tag X - das Vorstellungsgespräch. Spätestens dort wartet die heikle Frage: "Warum haben Sie Ihr Unternehmen eigentlich damals verlassen?" Wer da nicht ruhig, sachlich und wahrhaftig argumentieren kann, hat schon verloren.
Nachdem sie sich Krügers Bericht angehört hatte, beruhigte ihn die Expertin: In seinem Fall schien die Umstrukturierung klar erkennbar der tatsächliche Kündigungsgrund zu sein. Krüger war sich nach den langen Monaten des vergeblichen Suchens schon fast nicht mehr sicher gewesen: "Es tat gut, das aus fremden Mund bestätigt zu hören."
Parallel zu den ersten Beratungsterminen lernte er andere Klienten kennen. Beim gemeinsamen Frühstück, auf dem Flur oder am Rande von Workshops entwickelte sich schnell ein Solidargefühl. Eine wichtige Erkenntnis: Ich bin nicht allein. Da sind 30-, 40-Jährige, da sind topqualifizierte Doktoren der Chemie, die stehen auch ohne Job da.
Man hilft sich gegenseitig: Ich habe da eine Anzeige, die passt nicht zu meinem Profil, aber vielleicht schreibst du denen mal. Du hattest ein Bewerbungsgespräch? Was haben die denn gefragt? Solche Unterhaltungen ermuntern entlassene Manager, das Thema Arbeitslosigkeit auch den Freunden und Nachbarn gegenüber offen und ehrlich zu vertreten. Nicht selten kommt von ihnen später der entscheidende Hinweis auf eine freie Stelle.
Schon in der zweiten Beratungswoche nahm Frank Krüger die Zukunft in den Blick. Nun sollte er sich eine Frage beantworten, die ihm angesichts seines Alters und der miesen Arbeitsmarktlage wie der pure Luxus erschien: Welcher neue Job würde zu ihm passen? Gerade weil der Arbeitsmarkt so angespannt ist, argumentieren Outplacement-Berater, ist das Glück mit dem Passenden. Das heißt: Nur der erhält eine Chance, der die Probleme des Unternehmens mit Sicherheit zu lösen weiß.
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