Von Eva Buchhorn
Auch Frank Krüger war fest überzeugt, dass "ich das selbst schaffe", nach jenem Tag im Juli 2003, als er von einer Stunde auf die andere vor den Trümmern seiner beruflichen Existenz stand.
Nachmittags um drei Uhr eröffneten ihm seine Chefs, er sei mit Jahresfrist gekündigt. Für die nächsten 12 Monate werde er freigestellt. Unter Aufsicht und mit der Auflage, sich nicht von den Kollegen zu verabschieden, musste er anschließend seinen Schreibtisch ausräumen. Dann stand er vor dem Werktor. Nach 14 Jahren, einfach draußen. So geht es vielen.
"Es klingt verrückt", sagt Krüger im Rückblick, "aber der Ernst meiner Lage war mir damals gar nicht wirklich klar." Er klammerte sich an den Gedanken, dass er ja immerhin ein ganzes Jahr suchen könne. In dieser Zeit, so meinte er, müsse sich doch ein neuer Job finden lassen.
Und er kämpfte. Wälzte Stellenanzeigen, suchte im Internet und erzählte Freunden und Nachbarn von seinem Problem: "Ich wollte kein Mitgefühl, sondern eine Chance." Auf 30 Bewerbungen erhielt er eine einzige Einladung zum persönlichen Gespräch - den Job bekam ein anderer.
Anfang Dezember, als es draußen immer kälter und dunkler wurde, verließ den Vertriebsmann der Mut. Er ahnte, dass er sich nicht ewig gegen den größten Feind des Arbeitslosen würde stemmen können: Gegen das Gefühl nämlich, am Ende doch ein Versager zu sein.
Krüger erinnerte sich an das Angebot zum Outplacement, das sein Personalleiter ihm im Kündigungsgespräch unterbreitet hatte. Zwei Tage später war er angemeldet.
Zum ersten Gespräch bei der Beratung von Rundstedt & Partner in Düsseldorf erhielt der Energiemanager einen dicken Aktenordner, der hunderte Seiten Informationen fasste sowie viele noch unbeschriebene Arbeitsblätter. Krüger begriff, dass die Berater ihm den neuen Job nicht auf dem Silbertablett servieren würden. Er sollte selbst aktiv werden, ziemlich aktiv sogar: "Das Programm war ähnlich zeitintensiv wie ein Vollzeitjob."
Dazu passte der Dresscode. Zu den zweimal pro Woche stattfindenden Treffen mit seiner Beraterin, der Psychologin Doris Trappe, erschien Krüger in Anzug und Krawatte. Die täglichen Hausaufgaben erledigte er am heimischen Schreibtisch, für Telefonate reservierte er stets ein Einzelbüro in der Beratung.
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