Brüssel - Albert Frère hält nichts vom Ruhestand. "Solange mich Gott leben lässt, mache ich weiter, ich habe eine Leidenschaft für die Arbeit", bekennt der reichste Belgier und Bertelsmann-Großaktionär.
Das Beteiligungsgeflecht des diskreten Milliardärs überzieht mehrere EU-Länder und Branchen. Für Außenstehende ist das nur schwer zu überblicken. An diesem Samstag (4. Februar) feiert der öffentlichkeitsscheue Unternehmer mit der Vorliebe für Frühsport seinen 80. Geburtstag.
Über die Holdinggesellschaft Groupe Bruxelles Lambert (GBL) ist der wortkarge Wallone gemeinsam mit Partnern zu 25,1 Prozent am deutschen Bertelsmann-Konzern beteiligt. Erst in der zurückliegenden Woche machte die GBL Schlagzeilen. Sie kündigte an, sie wolle von Mai 2006 an von ihrem Recht Gebrauch machen, Anteile an der Börse zu platzieren. Dafür müssten aber die Voraussetzungen günstig sein. Bertelsmann war überrascht - gab sich aber nach außen gelassen.
Schwerpunkt der Geschäfte in Frankreich
Der aus der grauen Industrieregion von Charleroi stammende Frère hat seit fünf Jahren bei Europas größtem Medienkonzern eine Schlüsselstellung. In der Ära des damaligen Konzernchefs Thomas Middelhoff tauschte Frère seinen Anteil von 30 Prozent an der Mediengruppe RTL gegen die Beteiligung bei dem Familienkonzern. Frère entscheidet damit über die Zukunft des Mediengiganten mit.
Schwerpunkt von Frères Geschäften ist nicht Deutschland, sondern Frankreich. In Paris zieht er als graue Eminenz Fäden in der Finanzwelt. Seine Engagements reichen vom Energie- und Dienstleistungskonzern Suez über den Ölgiganten Total bis hin zur Restaurantgruppe Flo. Die Großbank BNP Paribas ist Partner in seinem Firmenimperium.
Der Erfolg war Frère nicht in die Wiege gelegt. Er arbeitete in jungen Jahren hart im kleinen elterlichen Eisenwaren-Betrieb ein, den er später zum Handelshaus ausbaute. In den 50er Jahren kontrollierte er Stahlwerke in der Wallonie, von denen er sich später wieder mit hübschen Gewinnen trennte. 1981 verbündete er sich mit dem kanadischen Unternehmer Paul Desmarais - die Partnerfamilien sind bis 2014 alliiert.
"Geschäfte gemacht, die ich nicht gewagt hätte"
Frère protzt nicht mit Reichtum, liebt aber Komfort und gute Gastronomie. Er, der Jahr 1994 vom König Albert II. zum Baron ernannt wurde, ist Kunst- und Weinkenner. Zusammen mit Frankreichs reichstem Mann, Bernard Arnault vom Luxuskonzern LVMH, lässt er im firmeneigenen Weingut Cheval Blanc in Saint-Emilion Spitzen-Rotweine in Eichenfässern reifen. Arnault hat jüngst Frére höchsten Respekt gezollt, als er sagt. "Er [Frere] hat Geschäfte gemacht, die ich nicht gewagt hätte".
Nicht immer läuft es aber für den erfolgsverwöhnten Selfmade-Mann Frère rund, der Mitglied im Jockey Club ist, einem Treffpunkt der feinen Pariser Gesellschaft. Trotz exzellenter Beziehungen bekommt der Belgier jüngst in Frankreich Gegenwind. Eine Großbank und Winzer in der Champagne wollen laut Medienberichten das Vorhaben des Belgiers durchkreuzen, die prestigeträchtige Champagner-Kellerei Taittinger zu übernehmen. Der Champagner von Taittinger solle gefälligst in französischen Händen bleiben, heißt es.
Frère hat indes längst neue lukrative Investitionsobjekte ausgespäht. Die Groupe Bruxelles Lambert (GBL) hat sich mittlerweile bei dem französischen Zementhersteller Lafarge
eingekauft. Den Finanziers, die den Konzern für unterbewertet halten, gehören derzeit 6,5 Prozent der Anteile.
dpa, manager-magazin.de
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