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19.01.2006
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Outplacement

"In 95 Prozent der Fälle ein neuer Job"

Von Martin Scheele

6. Teil: "Klienten müssen Härten in Kauf nehmen"

mm.de: Geben Sie bitte ein konkretes Beispiel für einen typischen Praktiker, der nicht studiert hat und wieder in Lohn und Brot gekommen ist?

von Rundstedt: Ich denke zum Beispiel an einen 42-jährigen Mann, der nach seiner Lehre zunächst in mittlerer Führungsposition und zuletzt über zehn Jahre hinweg als Geschäftsführer in ein und demselben Familienunternehmen tätig ist. Die Familie verkauft das Unternehmen und ermöglicht ihm Outplacement.

Er findet innerhalb von drei Monaten eine Position als Geschäftsführer, weil er beim neuen Arbeitgeber nachweisen konnte, dass er seine Führungsverantwortung über viele Jahre hinweg in der Praxis erfolgreich unter Beweis gestellt und das Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich geführt hat. Ein solches praktisches Erfahrungswissen kann man durch eine akademische Ausbildung allein nicht erwerben.

Grundsätzlich kommen solche Karrieren viel im Vertrieb vor. Leute, die Verkäuferblut haben, können heute Zahnpasta in Brasilien verkaufen und morgen Baumaschinen in China.

mm.de: Ist es richtig, dass die Mehrzahl Ihrer Fälle heute weniger verdienen?

von Rundstedt: Keineswegs. Wenn Sie nach streng tariflichen Gesichtspunkten urteilen, allerdings schon. Die Klienten müssen schon einige Härten in Kauf nehmen, beispielsweise die zeitliche Befristung des neuen Arbeitsvertrages oder ein geringeres Fixgehalt. Zudem können flexiblere Arbeitszeiten gefordert sein.

mm.de: Wie wird schließlich der Kontakt zum Unternehmen aufgenommen?

von Rundstedt: Zuvorderst sollte überlegt werden, ob Klient oder Berater Kontakte in das gewünschte Unternehmen haben. Das muss nicht immer ein direkter Kontakt sein, aber vielleicht kennt man jemanden, der dort gearbeitet hat oder der jemanden kennt, der dort arbeitet und eine Empfehlung aussprechen kann.

Alle Kontakte sind in der Summe Gold wert. Sollte es keine Kontakte geben, schauen wir, wer im Unternehmen der für den Klienten entscheidende Ansprechpartner ist. Eine Bewerbung, die sich nur an "sehr geehrte Damen und Herren" wendet, kann man auch besser gleich an den Papierkorb senden. Er signalisiert dem Adressaten immer Bequemlichkeit. Man hat sich nicht die Mühe gemacht, den Ansprechpartner ausfindig zu machen.

Nach dem Bewerbungsgespräch setzen wir uns erneut zusammen. Eine Nachbereitung ist essenziell. Wir fragen den Klienten, was ihn überrascht hat bei den Fragen des Personalchefs, wo er sich unsicher fühlte. Warum er glaubt, dass es zu einem Zweitgespräch kommt. Auf diese Weise wird der Klient sukzessive gefördert, bis er einen neuen Job gefunden hat.

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