Von Martin Scheele
Herr von Rundstedt, Sie sind Spezialist im Personalmanagement und betreiben Outplacement seit 20 Jahren. Sie betreuen also Angestellte bei der Neupositionierung im Falle einer Kündigung oder Trennung. Wie sieht der Markt der Outplacement-Berater aus? Wie laufen die Geschäfte derzeit?
von Rundstedt: Wir freuen uns über ein steigendes Marktvolumen. Allein im letzten Jahr konnten wir unseren Umsatz im Outplacement erneut über 20 Prozent steigern. Wir bekommen Aufträge aus praktisch allen Branchen. In der Mehrzahl zwar von Wirtschaftsunternehmen, aber wir arbeiten auch für staatliche Institutionen, politische Parteien und sogar für Kirchen.
Beispielsweise haben wir Parteiangestellte zu neuen Jobs verholfen, die beim Umzug ihrer Parteizentralen von Bonn nach Berlin nicht mitgehen wollten. Grundsätzlich: Outplacement ist eine Dienstleistung, die in erster Linie für Fach- und Führungskräfte bestimmt war, die aber im Laufe der letzten 20 Jahre auch auf weitere Hierarchiestufen ausgeweitet wurde. Immer finanziert das Unternehmen, das sich trennen will, die Beratung zur beruflichen Neuorientierung.
mm.de: Wie hoch ist der Wert der Aufträge bei Fach- und Führungskräften?
von Rundstedt: Nimmt man den Begriff Outplacement wörtlich, so bezeichnet der zweite Wortteil Placement das Ziel der Beratung, nämlich eine neue Position für die Führungskraft zu finden. Wir nennen das Garantieprogramm. Der neue Job wird quasi garantiert, das heißt die Beratung wird solange fortgesetzt, bis er gefunden ist.
Und das hat natürlich seinen Preis. Als Faustregel kann man sagen: Etwa 20 Prozent vom alten Jahresgehalt wird für die Outplacement-Beratung aufgewendet. Da es in deutschen Konzernen die Kultur gibt, sich von eigenen Führungskräften möglichst nicht zu trennen, es sei denn im Rahmen von großen Restrukturierungsmaßnahmen, erhalten wir von ihnen pro Jahr etwa drei bis fünf Aufträge.
© manager magazin Online 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH