11.01.2006
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Eliteuni Cambridge

Jagd auf Talente

Von Benedikt Mandl, Cambridge

2. Teil: Wie Unternehmensberater für sich werben

Leben auf der Überholspur

Für Studenten mit "Honorary Scholarships" veranstalten die Berater oft eigene Informationsabende. Die Gates Scholars um Tatyana lernten etwa zwei Tage lang in einem feudalen Seminarhotel, wie leicht sie dem akademischen Mief entkommen können. Der Branchenprimus McKinsey hat eigens Berater aus mehreren Büros eingeflogen, um etwa 30 geladenen Studenten ihre möglichen Laufbahnen auszumalen.

Ihr Hauptargument: Als Unternehmensberater wächst und gedeiht man persönlich schneller als in jeder anderen Branche. "Ein Jahr als Berater zählt so viel wie zweieinhalb Jahre in jedem anderen Beruf", meint ein Unternehmensberater. Das gelte auch für das Einkommen.

Während Studenten als "Postdocs" nach der Promotion oft nur etwa 20 Prozent mehr als ihr Doktorandengehalt verdienen, machen beim Cocktailempfang an der Bar Gerüchte über wahre Traumgagen die Runde: 110.000 Dollar im Jahr in den amerikanischen Büros, dazu Spesen und Prämien - wer will da noch lange im Labor Pipetten ausdrücken?

Die Studenten folgen dem Lockruf. "Going down" heißt das im Jargon der Studenten, "runtergehen" nach Canary Wharf, nach Kensington, nach Knightsbridge oder Mayfair. Die Universität fördert das Werben der Berater nach Kräften.

Das Karriere-Center der Universität bietet eine ganze Bibliothek voller Ratgeber zum Thema Lebenslauf, Kommunikationstaktiken und Listen potentieller Arbeitgeber. Studenten mit dem Berufswunsch Berater können sich Probegesprächen mit professionellen Karrieretrainern aussetzen, um den Ernstfall zu proben.

Besondere Aufmerksamkeit wird auch deutschsprachigen Studenten zu Teil. Deutsche Großunternehmen sind gute Kunden der Berater, vor allem die Marktführer haben Büros in fast allen großen Städten der Bundesrepublik. Da es in Deutschland aber keine Elitehochschulen gibt, sind deutsche Studenten aus Cambridge von besonderem Interesse.

Die Universität wirbt mit

Wer als Deutscher in Cambridge studieren darf, so das Kalkül, muss wohl Engagement und Intellekt gezeigt haben. Deshalb veranstaltet etwa die Boston Consulting Group einen Diskussionsabend zum Thema "Standort Deutschland", zu dem deutschsprachige Studenten aus Cambridge geladen sind. Die Universität darf aus Gründen des Datenschutzes zwar keine Namen oder gar Adressen ausgeben, übermittelt die Einladungen aber an die Studenten.

Albert hat es fast geschafft. Der Chemiedoktorand ist in die engere Auswahl gekommen und wird bald für ein Vorstellungsgespräch nach Seattle fliegen. Er rechnet mit einem Jobangebot. Jetzt steht er quasi zu Vergleichszwecken auf einem Empfang der Konkurrenz und übt sich schon mal im Small Talk. Den Fragen einer chinesischen Physikstudentin weicht er geschickt aus: Ob es denn nicht Verrat an allem sei, woran er bisher geglaubt habe, möchte sie wissen. Ob er die Tür zur Wissenschaft wirklich für immer zuschlagen wolle.

Albert pariert geschickt mit den obligatorischen Argumenten: die Mobilität, die Wachstumsmöglichkeiten, das Spannende an den kurzen, aber intensiven Projekten. Dann stockt er und fragt sein Gegenüber, warum sie denn eigentlich hier sei, wo sie sich doch angeblich überhaupt nicht für die Beraterwelt interessiere. "Hauptsächlich", antwortet die Studentin kichernd, "wegen des Gratis-Abendessens."

Ein Consultant, der hinter ihr steht, hat die Antwort gehört. Er lächelt still, scheint sich an seine eigene Zeit in Cambridge zu erinnern. Sein Blick sagt: "Die kriegen wir auch noch!"

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