Von Martin Scheele
"Ich brauche jemand, der mich anspornt"
Halbwegs mutig war die Entscheidung, familienfremde Manager in die Geschäftsführung zu holen. Welcher Patriarch gibt schon gerne Macht ab? Schon früh, nämlich 1980, berief Görtz, damals 44 Jahre alt, mit Peter Labin einen Familienfremden in die Chefetage. Görtz weiß die Entscheidung gut zu begründen. "So zeigen wir, dass Mitarbeiter eine Chance zum Aufstieg haben." Er ergänzt: "Viele Manager neigen dazu, sich mit Schwachen zu umgeben, damit ihr eigenes Licht heller scheint." Ich brauche jemanden, der mich anspornt und herausfordert."
Das dritte Motiv leuchtet ebenso ein: "Wir haben keine Garantie, immer auf Familienmitglieder zurückgreifen zu können." Die Grundlagen hat Görtz allerdings dafür geschaffen, alle seine drei Kinder arbeiten im Unternehmen, ob als Einkäufer oder Architekt. Trotz der derzeit bunten Mischung in der Chefetage - neben Ludwig und Friedrich Görtz sind die Familienfremden Christoph von Guionneau und Rainer Worbs zugegen - kommen Brancheninsider keine Zweifel, wer das letzte Wort hat: die Familie Görtz.
Ludwig Görtz (O-Ton: "Ich treffe keine Entscheidungen mehr") nippt am Wasserglas. Genug der Details aus dem Unternehmen. Das Gespräch endet mit Visionen. "Man müsste heute Schuhfabriken auf Rädern bauen und dort hinfahren, wo die Lohnkosten niedrig sind", sagt Görtz. Schon heute bezieht er 20 Prozent seiner Waren aus dem lohnkostenniedrigen Asien, der Großteil kommt aus den Mittelmeerländern.
Eine Vision also, die die Tradition des Unternehmens - Ware wurde lange Zeit nur aus Deutschland bezogen - gezwungenermaßen links liegen lässt.
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