Von Martin Scheele
Hamburg - Über ihm an der kahlen, weißen Wand thront der Vater, blickt unergründlich in den Raum hinein. Es ist ein trotziges Zeichen, das Sohn Ludwig Görtz mit dem Porträt setzt. Seht her, wir sind ein Traditionsbetrieb. Doch wo, bitte schön, zeugt das Unternehmen noch von Tradition? Im obersten Schuhregal, zweites Modell von links?
Tradition beim Hamburger Schuhhändler Görtz, 1875 gegründet, macht sich am ehesten in der Person Ludwig Görtz fest. Der Hausherr ist ein Hanseat, wie er im Buche steht. Als wolle er alle Klischees bestätigen, trägt er dunkelblauen Einreiher, blau-weißes Hemd und dezent rote Krawatte. Die Schuhe: schwarz, schlicht, unauffällig. Gediegen auch das Ambiente seines Arbeitszimmers: Braune Ledersessel, zwei Glastische, und der hellblaue Teppich versprühen eine kühl-nordische Atmosphäre.
Im Laufe der nächsten Stunde wird der 71-Jährige beflissen erzählen, wie der Großvater das Unternehmen gegründet, der Vater erste Expansionsschritte eingeleitet hat, und wie er, Ludwig Görtz, gegen die Krise des deutschen Einzelhandels ankämpft. Dabei weiß der Entrepreneur mit der randlosen Brille seine Firma als Fels in der stürmischen Brandung darzustellen.
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Um Akzente zu setzen, gebraucht der Altvordere kriegerische Vokabeln, garniert die Aufstiegsgeschichte mit Anekdoten, die von fleißigen Chefs und treuen Mitarbeitern handeln. Eine Nabelschau, ohne negative Bilder. Und wie viele seiner Gespräche beginnt auch dieses mit einem Exkurs in die Volkswirtschaft. Schließlich ist Görtz Verbandsfunktionär, Chef des Hamburger Einzelhandelsverbands.
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