Von Klaus Ahrens
Vor einem burgartigen Steinbau mit kleinem Turm, L'Abbaye genannt, wartet Bruno Gueuning, Freund und Angestellter des Hausherrn, auf den Besucher. Der drahtige Kaufmann erklärt: Dort, im Haus am Waldrand, stehen die Oldtimer-Autos von Vater und Sohn, rund 20 Stück, darunter Fahrzeuge wie ein Bentley 4.5 von 1927, ein Aston Martin Ulster von 1935, ein Ferrari in Rot, einer in Gelb, ein weißer Mercedes SL, dreimal Porsche.
Und hier, hinter den Mauern der kleinen Abtei, verbergen sich eine kleine Destille mit Kamin und das Weinlager des KFS. Das aber hat es in sich. Denn der Autofan sammelt auch kostbare Weine. Und weil er ungern eine Sache um ihrer selbst willen tut, handelt er auch damit: Sein Weingeschäft (La Galerie des Arts du Vin) umfasst zwei Läden, einen in Genf, einen in Gstaad ("Le Caveau de Bacchus") sowie einen Versandhandel und elf Angestellte, denen Monsieur Gueuning vorsteht.
Der führt jetzt voller Stolz die Trophäen vor, die er auf seinen Reisen in die französischen Weinbaugebiete einsammeln konnte. In der Hauptsache sind es Bordeaux-Weine, die in den Steingewölben lagern, darunter nahezu sämtliche Jahrgänge seit 1945 sowohl von Mouton Rothschild als auch von Chateau Petrus.
Hinzu kommen Großflaschen aus dem Burgund, Weine, die auf den diversen Partys von Schwester Caroline kredenzt werden. Wie in einem Uhrwerk die Zahnräder, möchte man meinen, haben die Scheufeles private Freuden und geschäftliche Interessen ineinander gefügt, ein Wunderwerk der Lebenskunst.
Später erscheint Karl-Friedrich Scheufele in der Abtei. Er schlägt vor, einen Chasselas zu probieren, der auf dem langen, alten Holztisch der Beize bereitsteht, einen Schweizer Weißwein, aus Speisetrauben gekeltert. So gut, dass die Eidgenossen die gesamte Ernte selbst verbrauchen.
Eine Offenbarung jedenfalls. Vielleicht sogar Luxus. Aber was ist das schon, Luxus, für einen wie KFS?
"Sich Zeit zu nehmen für Dinge, die einem wirklich Freude machen", sagt er. "Mehr Zeit zu haben für die Familie, eine Skitour. Gerade gestern habe ich meiner Frau gesagt, wie schön es doch wäre, mal mit dem Fahrrad den Genfer See zu umrunden."
Luxus, fügt der Milliardär an, muss nicht etwas Teures sein, man kann ihn gar nicht in Geld messen.
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