15.11.2005
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Peter F. Drucker

Vorsprung durch Wissen

4. Teil: Wissen bringt Ressourcen in Bewegung

Die bunte Vielfalt von "Organisationen"

Nur im Besitz solcher Informationen wird ein Unternehmen entscheiden können, wie es seine Wissensressourcen einsetzen muss, um Höchsterträge zu erzielen. Nur mit solchen Informationen kann das Unternehmen sich auf neue Situationen und Anforderungen einstellen, wie sie aus plötzlichen Verwerfungen in der Weltwirtschaft sowie aus der Art und den Inhalten des Wissens selbst hervorgehen. Die Entwicklung rigoroser Methoden zum Sammeln und Analysieren externer Informationen wird für Unternehmen wie Informationsexperten zur Herausforderung.

Wissen bringt Ressourcen in Bewegung. Dabei zeigt sich eine Besonderheit: Wissensarbeitern gehören die Produktionsmittel selbst. Denn anders als bei den Arbeitern, die in der industriellen Fertigung tätig sind, tragen Wissensarbeiter ihre Produktionsmittel in ihren Köpfen mit sich und können natürlich zu jedem beliebigen Arbeitsplatz mitgenommen werden. Wahrscheinlich ändern sich gleichzeitig fortwährend die Wissensbedürfnisse der Organisationen.


HBm-Edition Peter F. Drucker – Die besten Ideen des Managementgurus

Peter Druckers Weitblick und seine Bedeutung für die Unternehmensführung sind beispiellos. Er erdachte zahlreiche Führungskonzepte wie das Management durch Zielvereinbarungen und erfand neue Methoden für Organisation, Produktion und Selbstmanagement.

Hier geht es zur Sonderausgabe.
"Organisation" neu verstehen Künftig stellen die für den Unternehmenserfolg in den entwickelten Ländern entscheidenden Arbeitskräfte - zumal jene mit hoher Bezahlung - zunehmend Menschen dar, die sich nicht im herkömmlichen Sinn "managen" lassen. Denn in vielen Fällen sind diese Wissensarbeiter im Unternehmen gar nicht fest angestellt, sondern Auftragnehmer, Berater, Teilzeitkräfte, Joint-Venture- Partner oder Ähnliches. Von diesen Menschen werden sich mehr und mehr weit eher mit ihren Kenntnissen und Fertigkeiten identifizieren als mit den Organisationen, für die sie arbeiten.

Dieser neue Typus von Beschäftigten genießt eine neue Mobilität. Auch das Verständnis des Wortes "Organisation" ändert sich. Seit mehr als einem Jahrhundert - von J. P. Morgan und John D. Rockefeller in den Vereinigten Staaten, Georg von Siemens in Deutschland, Henri Fayol in Frankreich über Alfred Sloan bei General Motors bis hin zur heutigen Versessenheit auf Teams - waren wir auf der Suche nach einer "richtigen" Organisation für unsere Unternehmen. Eine einzig richtige Lösung kann es jedoch nicht geben.

In Zukunft ist mit einer bunten Vielfalt an "Organisationen" zu rechnen - so unterschiedlich wie eine Ölraffinerie, eine Kathedrale und ein vorstädtischer Bungalow, obwohl doch alle drei Bauwerke sind. Jede Organisation in den entwickelten Ländern (und das gilt nicht nur für Unternehmen) muss nach ihrem spezifischen Auftrag und den besonderen zeitlichen, örtlichen oder auch kulturellen Umständen gestaltet werden.

Das wird sich auch auf die Praxis und Theorie des Managements auswirken. In wachsendem Ausmaß bezieht sich Management künftig nicht nur auf Erwerbsunternehmen, in denen es vor rund 125 Jahren in der Absicht eingeführt wurde, die Produktion von Waren zu organisieren.

Künftig wird der Schwerpunkt der Managementtätigkeit darin liegen, neue Konzepte, Methoden und Praktiken zu entwickeln, um die Wissensressourcen einer Gesellschaft nutzbar zu machen. Besonderes Gewicht haben dabei die Bereiche Bildungs- und Gesundheitswesen, wo derzeit ein übermäßiger Verwaltungsaufwand betrieben wird und zu wenig Management herrscht.

Jede Menge Vorhersagen? Ganz und gar nicht. Es sind einzig und allein begründete Schlussfolgerungen im Hinblick auf eine Zukunft, die bereits stattgefunden hat.

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