Donnerstag, 9. Februar 2012, 02:53 Uhr

manager magazin



15.11.2005
 

Peter F. Drucker

Vorsprung durch Wissen

Die Bevölkerung der Industrieländer schrumpft rapide. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss der Produktionsfaktor Wissen systematisch verstärkt und genutzt werden. Eine Analyse des vor kurzem verstorbenen Managementgurus Peter F. Drucker.

Wenn es um die Geschicke der Menschen geht - ob in politischsozialer oder wirtschaftlicher Hinsicht - bringt es nichts, die Zukunft voraussagen zu wollen, ganz zu schweigen von dem Versuch, sogar 75 Jahre vorherzusehen. Allerdings ist es möglich - und nützlich -, Großereignisse zu bestimmen, die bereits stattgefunden haben und die sich auf die kommenden ein oder zwei Jahrzehnte auf abschätzbare Weise auswirken werden.

Managementvordenker und Autor: Der vielfach gelobte und geehrte Drucker starb am vergangenen Sonnabend. Er wäre am 19. November 96 Jahre alt geworden. Dieser Beitrag erschien erstmals im Harvard Businessmanager, Ausgabe: 4/1998.
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Managementvordenker und Autor: Der vielfach gelobte und geehrte Drucker starb am vergangenen Sonnabend. Er wäre am 19. November 96 Jahre alt geworden. Dieser Beitrag erschien erstmals im Harvard Businessmanager, Ausgabe: 4/1998.

Die Zukunft, die sozusagen schon geschehen ist, lässt sich also durchaus erkennen, und es lässt sich sogar entsprechende Vorsorge treffen. Was bedeutet das? Ausschlaggebend für die geschäftliche Lage in den nächsten beiden Jahrzehnten wird nicht sein, was sich in Wirtschaft oder Technik vollzieht, sondern einzig und allein die demografische Entwicklung - wenn wir einmal vom Eintreten von Ereignissen wie Krieg, Pest oder einer Kollision mit einem Kometen absehen. Bei der demografischen Entwicklung geht es nicht primär um die Überbevölkerung der Welt, vor der man uns in den zurückliegenden 40 Jahren immer aufs Neue gewarnt hat. Was den Gang der Dinge vor allem prägen wird, ist die zunehmende Unterbevölkerung der entwickelten Länder - in Europa und Nordamerika sowie in Japan.

Sparen am anderen Ende des Spektrums

Offenbar ist die entwickelte Welt drauf und dran, kollektiven Selbstmord zu begehen, denn hier werden einfach nicht genug Kinder geboren, damit sich die Bevölkerung reproduziert. Der Grund liegt auf der Hand: Die jungen Erwerbstätigen in den entwickelten Ländern sehen sich überfordert angesichts der Bürde, die die Unterstützung einer wachsenden Zahl älterer, nicht mehr arbeitender Menschen bedeutet. Um diese zunehmende Belastung erträglich zu machen, sparen sie, und zwar am anderen Ende des Spektrums abhängiger Familienangehöriger: Sie legen sich weniger Kinder zu oder verzichten ganz.


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Allein in den Vereinigten Staaten reicht die Zahl der Geburten, die bei etwa 2,4 pro Frau liegt, gerade aus, um den derzeitigen Bevölkerungsstand aufrechtzuerhalten; allerdings liegt die Geburtenrate bei den gebürtigen US-Amerikanerinnen weit unterhalb der gesamten Reproduktionsrate.

In den südeuropäischen Ländern Griechenland, Italien, Portugal, Spanien übersteigt die Geburtenziffer gerade so den Wert 1. So ist es auch kein Zufall, dass in diesen Ländern das Rentenalter besonders niedrig ist und die Altersbezüge besonders hoch sind. In Deutschland und Japan liegt die Geburtenziffer bei 1,5. In allen sechs Ländern hat die Bevölkerung ihren zahlenmäßigen Höchststand erreicht und nimmt nun ständig ab. Auch die Vereinigten Staaten würden einen Bevölkerungsrückgang verzeichnen, wenn es nicht die massive Zuwanderung aus Asien und aus den südamerikanischen Ländern gäbe.

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