Schweinfurt - In Schweinfurt am Main steht die Cramer Mühle. 500 Tonnen Getreide verarbeitet das moderne Mahlwerk binnen 24 Stunden. Und wenn die Mühle nicht mahlt, wird die mit Wasserkraft gewonnene Energie ins Stromnetz gespeist - das macht sich bezahlt. Dieser Energievorteil der Cramer Mühle hat die meisten anderen Mühlen in der unterfränkischen Umgebung zum Stillstand gebracht.
So läuft es eben in der Wirtschaft. Der designierte Wirtschaftsminister Michael Glos war betroffen. Etwa 20 Kilometer entfernt steht noch seine Stolz-Mühle in Brünnau, einem Ortsteil von Prichsenstadt, wo Glos geboren wurde.
Die Stolz-Mühle ist seit Generationen im Besitz der Familie. Michael Glos hatte sie in den 70er Jahren noch betrieben. Ein Müller aus der Umgebung (Kreis Kitzingen), der damals mit dem späteren CSU-Aufsteiger Geschäfte machte, beschreibt den heute 60-Jährigen aus der Erinnerung.
Schließungsprämien und Mühlensterben
Ein Raubein, wie der Müller mit Meisterbrief wohl auch auf Grund seiner oft drastischen Ausdrucksweise in vielen Porträts genannt wird, sei er nicht. "Der Michael war verlässlich, wir sind gut miteinander ausgekommen", sagt er und setzt hinzu, dass Glos auch bei anderen Unternehmern aus der Region beliebt gewesen sei. Die Geschäfte seien "immer sauber über die Bühne gegangen".
So ungefähr bis 1970, als das große Mühlensterben in Deutschland einsetzte. Damals bot der Staat den Müllern Schließungsprämien an, denn die vielen Dorfmühlen waren unwirtschaftlich geworden - "a Pfennigsgeschäftle", sagt der Müller. Glos war 1970 in die CSU eingetreten, weil er die Wirtschaftspolitik der sozial-liberalen Koalition für falsch hielt.
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