Von Karsten Langer
Obwohl er inhaltlich an den Studiengängen der Hochschulen nichts auszusetzen hat, vermisst er bei den Regierenden die Sensibilität für die Schlüsselfunktion von Ingenieuren in der Wirtschaft: "In der Politik fehlt das Gefahrenbewusstsein für die aktuelle Situation", so Fuchs.
Gleichzeitig schreibt er einer besonderen Charaktereigenschaft seines Berufsstandes eine Mitschuld an der Selbstmarketingmisere zu: "Leider neigt der Techniker dazu, Marketingaspekte nicht angemessen zu beachten und sich gedanklich in seinen speziellen Problemfeldern zu bewegen", so Fuchs.
Aber Selbstkritik hilft der Wirtschaft nicht. Im Zweifel ist Eigeninitiative gefragt. Um den Nachwuchs im eigenen Haus zu fördern, sind acht mittelständische Unternehmen aus der Oberpfalz einen außergewöhnlichen Weg gegangen: Schon 1992 haben sie ein Förderprogramm für den Nachwuchs aus der Taufe gehoben, als private Ideenschmiede sozusagen.
Dort werden Ingenieure, aber auch Betriebswirte und Mathematiker in themenbezogenen Seminaren fortgebildet. Die Erfahrungen sind gut. "Wir fördern den Führungsnachwachs, unser Projekt lebt vom Netzwerkcharakter" sagt Gerhard Kotzbauer, Präsident des Unternehmensverbundes und Personalchef des Amberger Fahrzeugsitzherstellers Grammer.
Wolfgang Rücker, Gründer und Chef des Engineering-Dienstleisters Rücker, Wiesbaden, kann die verzweifelten Hilferufe der Unternehmen nur bedingt nachvollziehen. Wenn Rücker für sein prosperierendes Unternehmen neue Mitarbeiter rekrutiert, sieht er sich gerne in den neuen Bundesländern um, sichert sich die Erfahrung älterer Experten und sucht jenseits deutscher Grenzen.
Im Westen, so Rücker, seien die Akademiker zu unflexibel: "Hier geht beispielsweise ein 45-jähriger Ingenieur aus Rüsselsheim lieber in die Arbeitslosigkeit als nach Rostock oder nach Hamburg." Erfolgreich sei man dagegen bei der Suche in Österreich, Polen oder in Tschechien.
Rücker übernimmt vor allem Design- und Konstruktionsaufgaben für den Auto- und Flugzeugbau. Dabei profitiert er von der universellen Ausbildung der Tüftler: "Wir sind in der glücklichen Lage, Ingenieure aus dem Fahrzeugbau auch in der Luftfahrt einsetzen zu können. Nach entsprechender Umschulung ist dies ohne Probleme möglich, da die Aufgaben sehr ähnlich sind." Nur in einem Bereich muss Rücker passen: "Bei Konstrukteuren für den Flugzeugbau gibt es personelle Engpässe. Diese Lücke ist allgemein schwer zu schließen."
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