Von Karsten Langer
Derzeit gibt es 15.000 offene Stellen, Tendenz steigend. Pro Jahr, so rechnet der VDI vor, werden weitere 2000 Ingenieure fehlen, bis zum Jahr 2010 wird ihre Zahl also auf mindestens 25.000 gestiegen sein.
Susanne Ihsen, Leiterin der VDI-Abteilung Beruf und Karriere, geht sogar noch weiter: "Von der Million Ingenieure, die Deutschland bis 2010 benötigt, fehlen 200.000." Was also auf den ersten Blick aussieht wie ein punktuelles Problem, könnte sich schnell zu einem Flächenbrand entwickeln. Und zwar mit verheerenden Folgen für die deutsche Wirtschaft.
Denn sobald ein Entwicklungsauftrag nicht mehr in Deutschland ausgeführt werden kann, weil das Personal fehlt, drängt die Konkurrenz aus den Schwellenländern ins profitable Geschäft. Die Ingenieure aus Tschechien, Polen, Osteuropa und der Ukraine stehen längst in den Startlöchern. Sie sind beileibe nicht schlechter als ihre deutschen Kollegen, aber dafür weitaus billiger.
"Über die ersten Toyotas hat man sich kaputtgelacht"
Damit geht nicht nur Wertschöpfung verloren, sondern auch Wissen. "Wenn wir in Deutschland nicht in der Lage sind, Ingenieure in ausreichender Zahl zu qualifizieren, geht das Know-how ins Ausland", fürchtet Frank Ferchau, Chef des bundesweit größten Engineering-Dienstleisters aus Gummersbach. Ferchau beschäftigt in seinem Unternehmen 1150 Ingenieure und ist auf der Suche nach 280 weiteren.
Auch Willi Fuchs, Direktor des VDI, warnt vor den Folgen des Know-how-Transfers: "Als die ersten Toyotas aus Japan kamen, hat man sich in Deutschland totgelacht. Heute ist den deutschen Autobauern das Lachen vergangen."
Bisher konnte sich Deutschland im Kampf um das wichtigste Wirtschaftsgut Wissen respektabel schlagen. Gemessen an den angemeldeten Patenten ist Deutschland europaweit führend, geschlagen weltweit nur von den Amerikanern. Knapp 20 Prozent aller Maschinen, die rund um den Globus Waren aller Art produzieren, sind made in Germany.
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