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15.08.2005
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Zweites Berufsleben

Aufbruch in unbekanntes Land

2. Teil: "Ohne Erfahrung, aber mit viel Begeisterung"

"Was wollte ich schon immer werden?"

Bei der Suche nach neuen Möglichkeiten verweist die Beraterin Wechselwillige auf Situationen, in denen sie besonders motiviert waren. "Jeder Beruf kostet eine Menge Energie. Deshalb muss ich mir überlegen, bei welchen Tätigkeiten ich von ganz allein Energie entwickle und woran ich zum Beispiel freiwillig schon einmal die halbe Nacht gearbeitet habe."

Aufbruch ins zweite Berufsleben: "Wer kennt jemand in dieser Branche?"

Aufbruch ins zweite Berufsleben: "Wer kennt jemand in dieser Branche?"

Mit dem aktuellen Beruf stimme das oft nicht mehr überein. Viele hätten sich nach der Schule nur von ihren Eltern dazu drängen lassen, Bankkaufmann oder Lehrer zu werden. Deshalb könne auch die "Kindheitsvision" über die eigenen Wünsche Aufschluss geben, sagt Karrierecoach Alexandra Bass aus Mannheim nach dem Motto: "Was wollte ich schon immer werden?".

Ein Alter, von dem an ein Wechsel unmöglich ist, sehen die Berater nicht. "Ich kann mit 35 nicht mehr Model oder Leistungssportler werden. Da gibt es körperliche Grenzen. Ansonsten gibt es meiner Ansicht nach aber keine Beschränkungen", erklärt Uta Glaubitz.

Dennoch gebe es nur wenige, die es schaffen, ganz von Neuem zu beginnen - nach Schätzung von Angelika Gulder ist dabei nur jeder Zehnte erfolgreich. Sinnvoll ist nach Gulders Empfehlung eine Art Projektplan für die Ziele der ersten zwölf Monate. "Wer könnte jemanden kennen, der jemanden in der Branche kennt?", sei eine der ersten Recherchefragen.

Zu diesen Leuten müsse man Kontakte aufbauen. "Die meisten geben doch gerne Auskunft über ihren Beruf", sagt Gulder. Und es sei schließlich wichtig, herauszufinden, wie in der Branche gearbeitet wird, wie Dienstzeiten, Arbeitsbedingungen und Verdienstmöglichkeiten sind.

Beate Stelzer etwa reduzierte ihre Stelle auf zwei Tage die Woche und ließ sich nur noch für Nacht- und Wochenenddienste einteilen. In der Prüfungsphase ließ sie sich beurlauben. Sie informierte sich beim Arbeitsamt und nahm über Berufs- und Ehemaligenverbände Kontakt zu Seeleuten auf, um Branche und Arbeitsmarkt zu sondieren. Ihre Ersparnisse waren nach der Ausbildung aufgebraucht, und die Phase der Neuorientierung hat sie auch psychisch als sehr belastend empfunden.

Dennoch hat es geklappt. "Die Miesmacher muss man einfach abschütteln", sagt sie. "Sonst funktioniert es nicht." Bei Bewerbungsgesprächen haben Umsattler gar keine so schlechten Karten: Alexandra Bass zufolge achten Personalchefs auf Authentizität. Bei dem, der für seine neue Tätigkeit Begeisterung mitbringt, was bei einem solchen Wagnis vorauszusetzen sei, spreche nichts dagegen, dass es mit der Bewerbung klappt. "Arbeitgeber nehmen gerne jemanden ohne Erfahrung, wenn er viel Enthusiasmus mitbringt. In umgekehrter Kombination gibt es nämlich ohnehin viel zu viele."

Thorsten Wiese, DPA

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