Berlin/Kriftel - Nach vielen Jahren den Beruf noch einmal zu wechseln, ist nicht selbstverständlich - aber es geht. Voraussetzungen sind Mut, Fantasie und nicht zuletzt gute Planung.
Annähernd 20 Jahre lang war Beate Stelzer Krankenschwester. Vor einigen Jahren verlor die heute 41-Jährige aus Berlin dann die Lust an ihrem Beruf. "Irgendwann fehlte mir einfach die Herausforderung", sagt Stelzer heute. Deshalb beschloss sie, endlich ihren Kindheitstraum in die Tat umzusetzen - und zur See zu fahren.
Immer wenn sie vor Jahren ihre Tante an der Ostsee besucht und den Schiffen nachgeschaut hatte, packte sie das Fernweh. "Einmal auf der Kommandobrücke von so einem Riesenpott zu stehen - das wäre es", beschreibt Stelzer ihre Gefühle aus der Kindheit. Sie holte mit Mitte 30 das Abitur nach und ließ sich an der Fachhochschule zum Schifffahrtsoffizier ausbilden. Heute ist Stelzer bei einer Reederei in Hamburg angestellt und fährt auf großen Frachtschiffen nach Asien und Südamerika.
Grundsätzliches Umdenken notwendig
Ein solcher Neuanfang fällt nicht jedem leicht. Viele denken vor allem gar nicht so weit, sich mitten im Berufsleben noch einmal völlig neu zu orientieren. "Wenn man sich nur noch auf das Wochenende freut, morgens kaum noch aus dem Bett kommt und die Unzufriedenheit immer größer wird, dann sollte ich aber über einen Wechsel nachdenken", sagt Karrierecoach Angelika Gulder aus Kriftel (Hessen).
Gulder zufolge machen sich viele bei der Berufswahl nach der Schule zu wenig Gedanken. "Und viele steigen dann die Treppen in einem Haus hoch und merken erst im Dachgeschoss, dass sie sich im Gebäude geirrt haben." Ist es soweit gekommen, sei grundsätzliches Umdenken notwendig.
"Viele meinen, der Beruf muss wehtun. Alles andere sei Freizeit und Hobby", sagt Uta Glaubitz, Berufsberaterin und Ratgeberautorin aus Berlin. Auch Freunde und Bekannte übten Druck aus. "Wer mit 45 einen neuen Job sucht, hat aber mitnichten versagt. Er hat halt vorher etwas anderes gemacht", sagt Glaubitz.
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