Von Martin Scheele
Duisburg - Heiter zwitscherten der junge Mann und die Dame gleichen Alters wie zwei Vögel kurz nach Sonnenaufgang. Er in Designerjeans und Polo-Hemd, sie im kurzen Sommerkleid. Welch Kontrast zu früher! Derlei Festkleidung hätte vor zwanzig Jahren zum Eklat geführt, bei der Gesellschafterversammlung von Deutschlands größter und bedeutendster Unternehmerfamilie.
Noch Mitte der 80er Jahre geriet die traditionelle Zusammenkunft der damals schon mehreren hundert Eigentümer der Franz Haniel & Cie. zum Defilee der extravaganten und hemdkragensteifen Persönlichkeiten. Nicht wenige Damen ließen sich mit übergroßen Hüten blicken, viele Herren zwängten sich in einen Cut, zur Begrüßung wurden Handküsse gehaucht. Legere Kleidung? Deplacé!
Chic kleiden können sich freilich andere auch. Dafür trennt sich die Spreu vom Weizen im Vergleich mit anderen Familienkonzernen schnell bei Zahlen und Kennziffern.
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Nicht zu vergessen: die stets sprudelnden Gewinne. Eine gewiss nicht unwichtige Triebfeder für die stets frohgemute Stimmung bei den Gesellschafterversammlungen. Zu erfühlen auch am Wochenende des 21. und 22. Mai in Duisburg-Ruhrort, also dort wo die Holding der Super-Size-Sippe seit eh und je ihre Geschäfte macht. Gefeiert wird seit einigen Jahren in der "Haniel-Akademie", einem lichtdurchfluteten Funktional-Quadergebilde, dessen vorrangige Funktion im Weiterbilden von Führungskräften besteht.
Wie wurden die Haniels zu dem, was sie heute sind: nämlich reich? Ist es nur eine Glückssträhne, die unverschämt lange anhält? Oder ist der Aufstieg nüchtern kalkuliert?
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