Von Fredmund Malik
Die Relevanz der Echtzeitkontrolle
Wir kennen das Gesetz der "erforderlichen Komplexität", das in gesellschaftlichen Systemen dieselbe Bedeutung hat, wie das Gravitationsgesetz in der Physik. So wenig man eine Rakete in eine Umlaufbahn schießen kann, ohne die nötige Energiezufuhr, so wenig kann man Reformmaßnahmen verwirklichen, ohne die nötige Umsetzungskomplexität. Nicht von ungefähr endet die Dienstleistung der meisten Berater dort, wo es wirklich schwierig wird, bei der Realisierung.
Man weiß des Weiteren, wie wichtig Real Time Control bei der Realisierung von Maßnahmen ist, sowie kontinuierliche Rückkoppelungen und darauf gestütztes Feinjustieren. Es ist bekannt, wie man mit Vernetzungen umzugehen hat, und ebenso ist klar, dass Schlüsselmaßnahmen per Simulation, nicht per Kosten-Nutzen-Rechnung auf ihre Wirkungen hin, vor allem auf die unbeabsichtigten, zu untersuchen sind.
Bekannt ist auch, dass Maßnahmen nicht einzeln, sondern nur als vernetztes Ganzes eine angemessene Wirkungschance haben, weil auch die Gesellschaft, in der sie wirken sollen, ein vernetztes Ganzes ist. Bekannt ist, dass solche Vorhaben ganz spezielle Kommunikationsprozesse erfordern, die alle Ebenen erfassen müssen, die an der Umsetzung mitzuwirken haben. In der heutigen Gesellschaft ist es aussichtslos, Reformen auf andere Weise durchsetzen zu wollen.
Das alles gehört zur Kybernetik komplexer Systeme. Das alles ist nötig für wirksames Management - oder mit anderen Worten, für die wirksame Gestaltung, Steuerung und Lenkung komplexer sozialer Systeme.
Nichts von dieser Art Management ist in der Praxis der Reformen zu beobachten. Von zufälligen Erfolgen abgesehen ist deren Scheitern daher programmiert, noch bevor mit der Realisierung begonnen wird.
© manager magazin online 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH