Von Martin Scheele
"Den Sprung über den Teich wollen wir nicht machen"
Praktisch auch, dass die Sprösslinge schon aus eigener Anschauung Tiefen des Unternehmens erlebt haben. Schnell lernten sie, dass auch ein Schmitz Cargobull nicht im Überrollkäfig lebt - und sich den Folgen der Globalisierung nicht entziehen kann. So steht auf der Agenda von Vorstandschef Hoffmann das Thema Rationalisierungen ganz oben. Zwei Drittel der insgesamt 4100 Mitarbeiter - davon 650 Leiharbeiter - arbeiten in deutschen Werken - ein hoher Kostenfaktor. Sind Einschnitte geplant? Davon will Hoffmann nichts wissen. Er spricht wolkig davon, dass die "Fabriken produktiver werden müssen". Kurzeitig präsentiert sich der Unternehmensleiter als Virtuose des Unbestimmten.
Das Bodenständige und Solide kehrt Hoffmann wieder heraus, als es um die Strategie für die Zukunft geht. Organisch zu wachsen ist eine der Unternehmensmaximen. Eine Expansion außerhalb von Europa geht Schmitz Cargobull so ähnlich forsch an, wie ein 90-Jähriger Führerscheinneuling seine erste Fahrt auf der deutschen Autobahn. Amerika beispielsweise nennt Hoffmann "einen interessanten Markt" um gleich jede Euphorie zu dämpfen "das Geschäft ist noch volatiler als in Europa, den Sprung über den Teich wollen wir in absehbarer Zeit nicht machen".
Und das vielerorts hochgelobte China erweist sich für die modernen Lastesel von Schmitz Cargobull als Entwicklungsland, dass Hoffmann links liegen lässt. "Die Zugmaschinen, die in China herumfahren haben das technische Niveau der 50er Jahre in Deutschland. Sie wären mit unseren Aufliegern überfordert." In Sachen Wachstum bemüht der Mittelständler aus Horstmar dann das Bild vom "europäischen Haus" des großen Europäers Gorbatschow - und kann dabei auf die große Marktmacht verweisen. Nur in Albanien und im Vatikan weht keine Schmitz Cargobull-Fahne.
Wen wunderts, dass bei einer derart unkühnen Expansionsstrategie ein Börsengang nicht vonnöten ist. Die drei Familien bleiben also bis auf Weiteres im Eigentümerkreis unter sich. An ihrer Loyalität zueinander haben sie indes keinen Zweifel: Die Anteile der Anteilseigner sind nicht mehr gepoolt - die Herren haben schlicht vergessen, den ausgelaufenen Vertrag zu erneuern.
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