Von Martin Scheele
"Der Umsatzausfall kam über Nacht"
Schmitz Cargobull, dessen Logo ein blauer Elefant ist, hat im zurückliegenden Geschäftsjahr (bis 31. März) knapp 1,2 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Vorstandschef Hoffmann prognostiziert dem Familienunternehmen auch dieses Jahr wieder rasantes Wachstum, "mit 10 Prozent wären wir zufrieden". Das wirkt vergleichsweise mickrig, zuletzt waren es bis zu 30 Prozent! Über die derzeitige Gewinnsituation kann Hoffmann nichts sagen: Der Aufsichtsrat hat das Zahlenwerk schlicht noch nicht abgesegnet. Nur soviel: "Wir haben auch dieses Jahr wieder gut verdient." Bisher habe die operative Marge zwischen 4 bis 6 Prozent gelegen.
Die Geschichte des 1892 aus einer Schmiede hervorgegangenen Unternehmens kennt freilich auch Tiefen. Anfang bis Mitte der 90er Jahre musste gar ein Bilanzverlust von 100 Millionen Mark verkraftet werden. "Der Umsatzausfall kam über Nacht", erzählt Hoffmann. Schmitz Cargobull war seinerzeit stark im Mittleren Osten aktiv, dort brachen wegen des ersten Golfkriegs plötzlich die Umsätze um 50 Prozent ein. "Das konnten wir nicht kompensieren."
Wenig später, 1994 und 1995 stand der Maschinenbauer vor der zweiten Herausforderung. "Die Nachfrage durch die Wiedervereinigung war damals gesättigt, mit dem Angebotsprogramm konnten wir den Markteinbruch nicht verkraften." Selbstkritisch meint Hoffmann: "Das war ein Managementfehler, weil wir ein extrem breites Sortiment an Nutzfahrzeugen im Programm hatten." Damals seien 80 Prozent des Umsatzes mit 20 Prozent der Produkte gemacht worden. Der Vorstand lernte aus der Krise und siebte in den Produktionslinien rigoros aus.
Die Krise bleibt haften. Als wäre sie gestern passiert, so genau kann Vorstandschef Hoffmann noch über die Umstände berichten. Hoffmann ist einerseits Urgestein des Unternehmens - er fing 1974 als Verkaufsleiter an - andererseits gehört er nicht der Gründerfamilie an. Die heißt - keine Überraschung - Schmitz. Peter Schmitz (64), Vertreter der fünften Generation, führt den Aufsichtsrat an. Sein Familienstamm hält wie der seines Cousins Heinz Schmitz (68) und der Familie Hoffmann jeweils ein Drittel der Anteile.
An adäquatem Nachwuchs mangelt es den Familien nicht. Söhne der agilen Altherrenriege arbeiten sich langsam im Unternehmen hoch. "Nur der Familienname prädestiniert aber nicht für den Vorstand", stellt Firmenprimus Hoffmann klar, der noch vier Jahre den Chefposten innebehalten möchte. Voraussetzung ist dann schon eher, dass "einen nicht der schnöde Mammon treibt".
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