Von Fredmund Malik
IT-Investitionen zehnfach aufgebläht
Im Alternativszenario stünde, dass im Vergleich mit den fünf Nachkriegs-Rezessionen die bisherige Erholung in den USA die weitaus schwächste war, und dies trotz den stärksten "Spritzen" an Steuernachlässen, Staatsausgaben und Niedrigzinsen, die je verabreicht wurden.
Es wären die hohen Wachstumsziffern Amerikas so darzustellen, wie sie jedes andere Land ausweist. Dazu würde man sie durch vier dividieren, weil sie annualisiert ausgewiesen werden. Im 2. Quartal 2004 sind die USA dann nicht unerwartet positive 3,2 Prozent gewachsen, sondern 0,8 Prozent; und die allseits bejubelten 8,2 Prozent des 3. Quartals reduzieren sich somit auf bescheidenere 2,05 Prozent.
Korrigiert man dann noch die statistisch um bis zum Zehnfachen aufgeblähten IT-Investitionen, so bleibt für das 3. Quartal noch knapp über 1 Prozent. Man käme zum Ergebnis, dass für die letzten zehn Jahren das US-Wachstum um mindestens zwei Prozentpunkte nach unten zu korrigieren wäre und somit nur geringfügig oder gar nicht oberhalb des europäischen Wachstums läge.
Es beschliche einen dann die Frage, woher sämtliche US-orientierten Beraterfirmen eigentlich die Frechheit holen, uns amerikanischen Management-Blödsinn zu empfehlen, obwohl viele von ihnen damit selbst in Schwierigkeiten kamen und einige daran vor kurzem fast oder ganz pleite gingen, aber ohne Skrupel wieder auf dem Markt herumhausieren. Man würde weiterfragen, was Beschaffungs- und Stabsleute in Großunternehmen wohl im Kopf haben, solche Firmen weiterhin zu beschäftigen, und außerdem käme man kaum um die Frage herum, wie europäische Medien dazu kommen, solches auch noch zu empfehlen. Schlechten Rat kann man sich selbst geben, dafür braucht man nichts zu bezahlen.
Schließlich würde man bescheiden anfragen, warum die prominentesten Talkshows dazu verwendet werden, seit Jahren Deutschland beschimpfen zu lassen, permanent falsche Zahlen und unhaltbare Vergleiche zu verbreiten und es nicht für nötig zu halten scheinen, gelegentlich die Tatsachen zu prüfen und aufgrund dessen dann vielleicht Sprechblasenproduzenten nur noch jedes dritte Mal eine Bühne zu geben.
Aber, wie gesagt, das ist nur ein Alternativszenario. Niemand braucht das ernst zu nehmen - außer Unternehmer und Manager, die sich keine Angst machen lassen und nicht auf Geschwätz hereinfallen. Es ist für jene, die an einer gesunden Firma interessiert sind, daher an richtigem Management und die die Chancen nutzen wollen.
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