Von Fredmund Malik
Überall scheint sich konjunkturelle Morgenröte zu zeigen. In Europa - außer in Deutschland - verbreitet sich gedämpfter, aber doch zunehmender Optimismus. Asien boomt, und in den USA ist die Stimmung heute noch besser, als sie anfangs 2000, kurz vor Beginn der großen Börsentalfahrt war. Die meisten Stimmungsindikatoren sind in der Nähe ihrer historischen Höchststände, einige haben Alltime-Highs zu verzeichnen. Als Kraftzentrum wird die amerikanische Wirtschaft angesehen, von der man die entscheidende Dynamik erhofft.
Fredmund Malik: "Schlechten Rat kann man sich selbst geben"
Ein Alternativszenario würde etwa folgende Elemente enthalten: eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Börsenerholung weltweit zu Ende ist, weil sie entgegen gängiger Meinung nicht ein neuer Bullenmarkt sondern ein starkes Bearmarketrally ist. Man würde damit rechnen, dass der nächste Schub abwärts geht, und zwar weiter, als die meisten sich vorzustellen vermögen. Wider die allgemeine Auffassung wäre auch mit sinkenden Immobilien- und Edelmetallpreisen, und überhaupt sinkenden Rohstoffpreisen zu rechnen.
In einem solchen Szenario würde nicht mit Wachstum und latenter Inflationsgefahr kalkuliert, sondern mit Schrumpfung und Deflation. Man würde mit steigenden Zinsen rechnen, weil man die Möglichkeiten der Notenbanken geringer gewichten würde, als die Folgen reihenweise fallierender Obligationenschuldner.
Die USA wären in diesem Szenario nicht das Zentrum wirtschaftlichen Aufschwunges sondern die Wiege programmierter Krisen. Die Gründe: Massiv überbewertete Sachwerte, bei Aktien wie bei Immobilien; die größte Gesamtverschuldung, die es im Verhältnis zum Sozialprodukt je gab; die niedrigste Profitabilität im realen Sektor, die niedrigsten Ersparnisse und die niedrigsten Netto-Investitionen der Nachkriegszeit sowie ein monströs geleveragtes Finanzsystem.
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