Von Klaus Werle
Lücke zwischen Ansprüchen und Realisierungschancen
Bei der Wahl des Arbeitgebers glaubt die Mehrzahl der Studierenden, dass eine sichere berufliche Zukunft heutzutage vor allem auch mit der Innovationsfähigkeit der Unternehmen und deren internationaler Orientierung verknüpft ist. Besonders wichtig ist dies für Absolventen naturwissenschaftlicher Fächer und für Ingenieure. Die Wirtschaftswissenschaftler heben als wichtigstes Kriterium die wirtschaftliche Stärke eines Unternehmens hervor.
Die künftigen Hochschulabsolventen machen sich keine Illusionen: Zwischen den Ansprüchen an den erwarteten Beruf und den erwarteten Realisierungschancen klafft eine deutliche Lücke. Zwei von drei Befragten rechnen nicht damit, dass sich ihre Vorstellungen im Berufsleben verwirklichen lassen. So stehen 39,5 gewünschten Wochenarbeitsstunden 48 erwarteten gegenüber.
Auch mit einer deutlich längeren Lebensarbeitszeit, häufigem Berufswechsel und Arbeitsplätzen, die nicht der eigenen Qualifikation entsprechen, hat sich die Generation abgefunden. In Bezug auf das Renteneintrittsalter zentrieren sich die Erwartungen um die Eckwerte 65 Jahre (22 Prozent) und 70 Jahre (21 Prozent).
Welche Werte im Trend der Absolventen liegen
Hinsichtlich ihrer Wertorientierung hat sich die befragte Studentengeneration von den klar abgegrenzten ideologischen Gebäuden früherer Generationen weitgehend verabschiedet. Sie hat sich auf diese Weise ideologisch emanzipiert, ohne jedoch indifferent und wertneutral geworden zu sein. An der Spitze stehen liberal-individualistische Werte wie Freiheit, Freizeit und Selbstverwirklichung mit Einstufungen als positiv von 93 über 92 zu 90 Prozent.
Es folgen dicht dahinter traditionell konservative Werte wie Treue (87 Prozent) und Verantwortung (86 Prozent) oder soziales Engagement (86 Prozent). Ökonomisch-individuelle Werte wie Leistung und Erfolg rangieren im Mittelfeld, materielle Werte wie Genuss und Konsum (45 Prozent) oder Reichtum (37 Prozent) auf den hinteren Rängen.
Dennoch mangelt es den akademischen Nachwuchskräften nicht an Selbstbewusstsein: Immerhin 67 Prozent glauben - zumindest "überwiegend" - daran, dass die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen gelöst werden können. Das Selbstbewusstsein sinkt jedoch mit zunehmendem Alter der Studierenden.
Insgesamt wurden 1072 Studenten und Studentinnen im Hauptstudium der Fachrichtungen Betriebswirtschafts- und Volkswirtschaftslehre, Jura, Naturwissenschaften, Mathematik, Medizin, Ingenieurwissenschaften sowie Geistes- und Sozialwissenschaften an 27 ausgewählten Hochschulen und Fachhochschulen befragt.
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