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18.03.2005
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Karriere

Studium abgebrochen, Job gefunden

Von Bettina Musall

Studienabbrecher galten lange als verkrachte Existenzen. Fast unbemerkt hat sich für die Aussteiger ein funktionierender Arbeitsmarkt entwickelt. Die Chancen stehen gut: Wer seine Ziele rechtzeitig korrigiert, kann Karriere machen - Stars ohne Examen von Bill Gates bis Günther Jauch haben es vorgemacht.

Wenn Sarah Strohschein lacht, und sie lacht gern, wird es hell und warm im Raum. Sie sieht gut aus, und ihr Leben ist genau da, wo sie es jetzt - mit 29 Jahren - haben will. Sarah geht es gut, richtig gut, und das strahlt aus ihr.

Wer hätte das vor fünf Jahren gedacht, als die Studentin kurz entschlossen die Hochschule schmiss? Schon im Gymnasium wusste Sarah, dass sie "in die Medien" wollte. "Voll motiviert" begann die Tochter eines Lehrers und einer Krankenschwester, Germanistik und Geschichte zu studieren - und nebenbei für die Oldenburger "Nordwest-Zeitung" zu schreiben.

Doch im dritten Jahr an der Hamburger Universität war nichts mehr übrig von ihrer Begeisterung. Die akademische Offenheit überforderte sie, ihr fehlten die verbindlichen Vorgaben."Keiner interessiert sich für dich", sagt Sarah. "Nach sechs Semestern kannte gerade mal eine Professorin meinen Namen."

  Anke Engelke, 39, Comedian, versuchte sich in Anglistik, Romanistik und Pädagogik in Köln. Das Experiment endete wie ihre "Late Night"-Show:  Exmatrikulation   Barbara Schöneberger, 30:  Die Moderatorin schleppte sich durch stolze zehn Semester Soziologie in Augsburg, bevor sie Max Weber gegen Wimbledon tauschte und 1999 beim Sportsender DSF anheuerte   Günther Jauch, 48:  Versucht hat er es wirklich. Zuerst mit Jura in Berlin, doch dann wurde er an der Münchner Journalistenschule angenommen und brach das Studium ab. Danach nutzte Jauch als Sportredakteur seine ungewöhnlichen
  Hans Meiser, 58:  Talkmaster und RTL-Fernsehmann der ersten Stunde, studierte in Stuttgart Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte - ohne Abschluss   Jürgen von der Lippe, 56:  Showmaster und Liedermacher, begann 1970 mit dem Studium der Germanistik, Philosophie und Linguistik in Aachen und setzte es zwei Jahre später in Berlin fort. Auf den Abschluss verzichtete er, "weil er damals von seiner Tingelei schon recht gut leben konnte", so die ARD   Blödel-Barde Otto Waalkes, 56:  erkannte 1970, dass sein Pädagogikstudium nicht fruchtet, und besuchte das Audimax fortan nur noch für Gitarren-Auftritte
  Stefan Raab, 39:  Moderator, studierte neben seiner Metzgerlehre fünf Semester Jura. Die Ausbildung schloss er als bester Lehrling ab, das Studium ließ er sausen   Der Entertainer, Satiriker und Schauspieler Herbert Feuerstein, 67:  studierte bis 1958 Musik am Salzburger Mozarteum. Als er sich mit dem Hochschul-Präsidenten anlegte, legte der ihm nahe, seinen "Hass auf die Musik lieber als Journalist auszutoben als vor unschuldigen Zuhörern im Konzertsaal". Das nahm Feuerstein sich zu Herzen, arbeitete erst bei einer New Yorker Zeitung und wurde später Chefredakteur von "Mad"   Linda de Mol, 40:  niederländische Showmasterin und käseblonde Kuppelmutter ("Traumhochzeit"), studierte von 1981 bis 1984 in Amsterdam Jura. Kurz vor dem Abschluss heurte der Sender Sky Channel sie als Moderatorin an, de Mol brach das Studium ab und gründete mit ihrem Bruder eine Produktionsfirma
  Studienabbrecher unter sich:  Bastian Pastewka zu Gast bei Anke Engelke. Pastewka, 32, Komödiant ("Brisko Schneider"), studierte in Bonn Gemanistik, Pädagogik und Soziologie, hörte aber nach dem Grundstudium auf, "weil ich gemerkt habe, dass ich das gar nicht will. Comedy konnte ich und wollte ich."   Barbara Eligmann, 41:  Moderatorin ("Explosiv", "Clever") hielt sich nicht lange an der Uni auf. Nach drei Wochen schmiss sie das Wirtschaftsstudium in Osnabrück: "Zuviel Statistik und EDV". Wahrscheinlich sei sie "das letzte Mäuschen, das ohne Studium so einen Job gekriegt hat", erzählte sie einmal der "Süddeutschen Zeitung" - und sie selbst stelle grundsätzlich niemanden mehr ohne Studium ein   Johannes B. Kerner, 40:  Moderator und Talkmaster, begann 1984 in Berlin BWL zu studieren und jobbte parallel dazu in der Sportabteilung des Senders SFB. 1988 verabschiedete er sich ohne Abschluss vom Studium
  Moderator Jörg Pilawa, 39:  hängte sein Medzinstudium in Hamburg nach sechs Semestern an den Nagel. Zu verschult und praxisfern, lautete seine Diagnose: "Ich fand es grottenlangweilig und habe mich wirklich gequält." Später betrieb er ein Studium der Geschichte mit Schwerpunkt Judaistik sowie der Soziologie und Politikwissenschaft bis zur Examensarbeit   Friedrich Küppersbusch, 43:  TV-Produzent, besuchte zwischen 1981 und 1989 immer mal wieder Journalistik-Vorlesungen in Dortmund, um dem Zivildienst zu entgehen   Kai Pflaume, 37:  Show-Moderator, setzte sich kurz vor dem Mauerfall in den Westen ab und pfiff auf sein Informatikdiplom in Magdeburg
  Dirk Manthey, 50:  Verleger und Zeitschriftenerfinder ("TV Spielfilm", "Fit for Fun"), brach 1975 sein BWL-Studium in Hamburg ab. Motiv: "Langeweile"   Oliver Kalkofe, 39:  Satiriker und Moderator ("Kalkofes Mattscheibe"), studierte Anglistik, Germanistik und Publizistik in Münster. Nach acht Semestern nahm er Reißaus: "Ich wollte eigentlich immer mit geringstmöglichem Aufwand meine Scheine machen. Der ganze Theoriekram hat mich nie sonderlich interessiert."   Ulrich Meyer, 49:  Moderator ("Akte"), studierte nach Abitur und Wehrdienst Medizin in Köln, ließ das Studium aber sausen. 1979 begann er sein Volontariat bei der "Kölnischen Rundschau"

Prominente Studienabbrecher:
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Ein paar Monate jobbte sie in einer kleinen Werbeagentur, 20 Stunden die Woche. Es machte ihr Spaß, "endlich etwas Sinnvolles zu tun". Dann kam das Angebot, aus dem Job eine Ausbildung zur Werbekauffrau zu machen. Vater Strohschein war "nicht direkt begeistert", als seine Älteste erklärte, sie werde die Uni verlassen. Immerhin hatten die Eltern das Studium finanziert. Aber, sagt sie: "Ich wusste ja, was ich wollte."

Studium interruptum: 80.000 brechen jährlich ab

Damit ist Sarah nicht allein. Jährlich mehr als 80.000 der rund zwei Millionen Studenten in Deutschland brechen vorzeitig die Hochschulausbildung ab - die Quote ist mehr als doppelt so hoch wie vor 30 Jahren. Von 100 Abiturienten, die ein Studium beginnen, verlassen 30 die Universität ohne Abschluss. Durchschnittlich sieben Semester drücken sich die Unzufriedenen in Hörsälen herum. Doch wer sich durchgerungen hat, das Studium gegen eine Berufsausbildung zu tauschen, steht nicht mehr automatisch als Versager da. Im Gegenteil.

UniSPIEGEL-Titel: "Wir haben abgebrochen" "Eine hohe Motivation, ein gesundes Selbstbewusstsein und ein paar Semester Hochschulbildung auf der Habenseite" - so beurteilt Thomas Vielhauer vom Hochschulteam der Hamburger Arbeitsagentur diejenigen, "die den Mut haben, sich zu korrigieren". Abbrecher dieses Typs prüfen ernsthaft ihre Chancen, ehe sie ihren zweiten Bildungsweg einschlagen. Wer sich im Curriculum verlaufen hat, legt zwischen Uni-Beratung, Arbeitsagentur und Anzeigenmarkt oftmals einen Info-Marathon hin, der Zielstrebigkeit und Pragmatismus verheißt - Eigenschaften, die in vielen Firmen wieder höher bewertet werden als ein mühsam erkämpftes Diplom.

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