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09.03.2005
 

Karriere

Mehr Sein als Schein

Was jeder durchschnittliche Betriebswirt leidlich beherrscht, müssen Germanisten, Soziologen oder Anglisten erst noch lernen: sich beizeiten ordentlich aufzuplustern, um potenziellen Arbeitgebern aufzufallen - Gelegenheiten dazu gibt es genug.

Insgesamt 13 Semester Germanistik und Psychologie an zwei verschiedenen Studienorten und Seminarauswahl nach dem Lust-Prinzip: Christine Bock bedient ganz selbstbewusst das Klischee vom arbeitsmarktfernen Geisteswissenschaftler. Vordergründig jedenfalls - denn auf den zweiten Blick stimmt es schon nicht mehr: "Ich habe immer schon nebenbei gearbeitet", erzählt sie - im Verlag, in der Werbung und im Textbereich. Dazu kamen Praktika im Goethe-Institut und beim Hörfunk.

  Geisteswissenschaftler:  Kein Karriereweg vorgezeichnet
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Geisteswissenschaftler: Kein Karriereweg vorgezeichnet

Christine Bock verfügte schon lange vor ihrem Examen über eine Menge Berufserfahrung und alle nötigen Scheine, aber sie hatte Angst vor der Exmatrikulation: "Ich hätte nie gedacht, dass es mal jemand gibt, der meine Arbeit richtig honoriert."

Es gab mehrere: Die Frankfurterin startete als Texterin in Hamburg und landete als Kontakterin in Berlin. Heute berät sie in einer Werbeagentur elf Shopping-Center bei der Anzeigengestaltung, entwirft Aktionskonzepte, akquiriert Neukunden und hat Personalverantwortung.

Der Kopf in den Sand

Sprach- und Kulturwissenschaftler wissen vom Anfang ihres Studiums an, dass ihnen kein Karriereweg vorgezeichnet ist und niemand auf dem Arbeitsmarkt auf sie wartet. Allerdings verleitet die fehlende Berufsperspektive manche dazu, den Kopf in den Sand zu stecken. "Es kommt nicht selten vor, dass Studenten kurz vor dem Examen weder wissen, was es alles an Berufsmöglichkeiten gibt, noch was sie machen möchten", sagt Martha Meyer-Althoff von der Arbeitsstelle Studium und Beruf der Universität Hamburg.

Seit 25 Jahren fördert Meyer-Althoff die Berufsorientierung von Geisteswissenschaftlern. Ihr Fazit: Bloß nicht das Thema vor sich herschieben und sein Licht unter den Scheffel stellen, sondern die Berufsmöglichkeiten aktiv erkunden und mit den eigenen Stärken und Vorlieben abgleichen. "Überall wo es um Kommunikation, Kreativität, Organisation und Management geht, da haben Geisteswissenschaftler gute Perspektiven."

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