Von Martin Scheele
Heidenheim - Wer von Norden nach Süden das Gelände des Familienkonzerns Voith durchschreiten will, der braucht vor allem eins: Zeit. Einen guten Kilometer lang erstreckt sich der 137 Jahre alte Besitz in Heidenheim, dieser ostschwäbischen Provinzstadt mit ihren 50.000 Einwohnern. Die Wanderung, das wird dem Besucher schnell deutlich, ist auch so etwas wie eine Zeitreise, eine Reise durch drei Jahrhunderte.
Nahezu überall dominiert zwar der Backstein, doch derzeit erfährt das riesige Areal an mehreren Punkten eine Frischzellenkur. Erst im vergangenen November feierten die "Voithianer" die Grundsteinlegung des so genannten Paper Technology Center, ein 40-Millionen-Euro-Projekt, dessen gesamte Front aus Glas besteht. Allein am Hauptstandort Heidenheim nimmt der Konzern geschätzte 50 Millionen Euro in die Hand und gibt dem Gebäudeensemble, in dem auch ein Paternoster noch seine Dienste verrichtet, so architektonisch einen modernen Anstrich.
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Voith weltweit zu Hause Bitte klicken Sie auf ein Bild, um zur Großansicht zu gelangen. |
Ist die vermehrte Verwendung von Glas als Zeichen der Öffnung zu verstehen? Schaut her, wir öffnen uns? Eine Zeit des Umbruchs hin zur Großmannssucht gar? Wohl kaum. Das Weltunternehmen mit Milliardenumsatz und 30.000 Mitarbeitern - damit mehr als so mancher Dax-Konzern - setzt zwar weltweit Maßstäbe, was erfolgreiches Wirtschaften, was die Zahl von Patenten angeht - als Familienunternehmen aber hält es wie andere seiner Gattung an zwei Grundprinzipien fest: Understatement wird groß geschrieben und der Gang in die Öffentlichkeit nicht offensiv beschritten.
Ochsentour durch die Hierarchien
Die Schwaben - Wirtschaftsmotto: "Unser Markt ist die Welt" - legen ihre angeborene Verschwiegenheit also tunlichts nicht ad acta. Auffällig wird dies besonders bei den Eigentümern, der Familie Voith und ihren Nachfahren, die sich seit Anfang der 70er Jahre aus dem operativen Geschäft zurückgezogen haben. Ihren Einfluss machen sie zwar weiterhin über Aufsichtsrat und Gesellschafterausschuss geltend, in der Öffentlichkeit treten sie indes nicht auf.
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