Von Benedikt Mandl, Cambridge
Darwin, Russel, Keynes, Wittgenstein, Huxley
Die Geheimgesellschaften dienen ihren Mitgliedern als Karrieresprungbretter in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. "Das Band ihrer Gemeinschaft ist der stärkste Bund, dem ich in meinem Leben begegnet bin", sagt etwa der Philosoph Henry Sidgwick, selbst Mitglied der Apostel.
Und tatsächlich scheint sich eine Mitgliedschaft in dem geheimen Club sehr positiv auf die berufliche Laufbahn auszuwirken: Mitglieder werden nach dem Studienabschluss zu "Angels", viele von ihnen nehmen Schlüsselpositionen in der öffentlichen Verwaltung, beim Königshaus, in den Medien, der Kirche oder an der Universität ein. Darwin, James C. Maxwell, Bertrand Russel, John Maynard Keynes, Ludwig Wittgenstein, Aldous Huxley - sie alle gehörten zur Elite Großbritanniens, sie alle waren Apostel.
Nach dem Skandal um die "Cambridge 5" brach ein Sturm über die Apostel herein. Kommunisten in Cambridge, Hochverrat inmitten der Colleges - das konnte nicht sein, galt doch vor allem Trintiy College als eine Hochburg der Konservativen. Die Apostel sahen sich deshalb zu einer Öffnung gezwungen, in jeder Hinsicht: 1985 wurde die erste Frau in das illustre Duzend aufgenommen. Viele Details über Mitglieder und die Hintergründe des Bundes wurden bekannt.
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Im Cambridge des dritten Jahrtausends sind die viktorianischen Geheimgesellschaften wieder in Vergessenheit geraten. Der KGB existiert nicht mehr, und der nie gefundene fünfte Agent beschäftigt höchstens noch ein paar Freunde von Spion-Geschichten.
Aber die Apostel leben noch. Es heißt, dass sie sich einmal im Jahr in einem College von Cambridge zum Dinner treffen. Dann sollen sie den Lauf der Welt, der Politik und der Philosophie besprechen und Karrieren planen. Wie schon seit 1820 - ganz im Geheimen.
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