Der Klassiker - die Postkorbübung
Die Postkorbübung ist ein AC-Klassiker. Die meist zweistündige Prüfung simuliert die Bearbeitung von herkömmlichen Posteingangskörben. Etwa 20 Schriftstücke stehen zur Disposition, die Zeit ist immer knapp. Zum Programm gehören Störungen, die den Stress verstärken sollen. "Ein großer Fehler wäre, alles sofort erledigen zu wollen", betont Posselt. "Verschaffen Sie sich einen Überblick und sortieren Sie nach Wichtigkeit und Dringlichkeit."
Wer alle Tests überstanden hat, braucht noch Kraft fürs Einzelgespräch, kurz vor dem AC-Finale. Es geht um die Person des Bewerbers: Welche Hobbys hat er, welche Stärken und Schwächen? Wie sehen die beruflichen Erfolge aus? Wo sieht er sich in fünf Jahren? Der Auftritt eines Bewerbers sollte ehrlich sein. "Wenn Sie zum Beispiel sich vorstellen können, irgendwann einmal in einer anderen Abteilung des Unternehmens zu arbeiten, dann sagen Sie das", so Posselt. Wichtig: Was gesagt wird, sollte nicht in knappen Hauptsätzen abgearbeitet werden. Wer sich interessant ausdrücken kann, hat Vorteile.
Das Finale eines jeden AC ist das Rückmeldegespräch - also die Bewertung des Eindrucks, den der Bewerber hinterlassen hat. Dabei müsse man noch einmal alle Kräfte mobilisieren, "denn normalerweise ist man nach diesen beiden Tagen nervlich kaputt", meint Posselt. Trotzdem sollte man nachfragen, wenn man etwas nicht verstanden hat - "und lassen Sie sich auch auf gar keinen Fall beleidigen". Kritik sollte als Chance begriffen werden.
Testlauf bei einem unwichtigen AC
Kann man sich auf ein Assessment Center vorbereiten? Ja. Eine durchaus übliche Variante: Man versucht in ein nahezu beliebiges AC hineinzurutschen - probehalber und ohne wirkliches Interesse an der Stelle. Manchmal allerdings bringt dann gerade diese Lockerheit des Bewerbers seine wirklichen Stärken hervor. Und das macht ihn für das Unternehmen interessant.
Es geht aber auch anders, ohne Probelauf in einem anderen AC. Am Anfang steht immer eine klare Ich-Inventur: Wer bin ich? Was kann ich? Was will ich? "Man muss von sich selbst überzeugt sein", sagt Karin Posselt. "Testen Sie auch, wie Sie auf andere wirken."
Pflicht vor einem AC ist die nähere Beschäftigung mit dem Unternehmen. Der Besuch der Firmenhomepage gehört zum Standardprogramm. Bei der Auswahl der Kleidung für die Tage des "Ernstfalls" sollte man sich an dem Stil orientieren, der auch von den möglichen Kollegen am neuen Arbeitsplatz gepflegt wird.
Einen letzten Tipp hat Karin Posselt noch. "Es klingt zwar nach einer Phrase, aber: Treten Sie nicht als Bittsteller auf, denn das AC ist keine einseitige Angelegenheit." Schließlich ist jeder Bewerber, der ausgewählt worden ist, für das Unternehmen interessant, weil er etwas kann, was gesucht wird. Daran sollte sich jeder erinnern - und mit Selbstbewusstsein auftreten.
Von Steffen Gerth, Jobpilot.de
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