Von Karsten Langer
mm.de: Und was raten Sie Unternehmen, warum diese mehr Frauen einstellen sollten?
Domsch: Wenn man die Besten gewinnen will, kommt man am Potenzial der weiblichen qualifizierten und engagierten Bewerberinnen nicht mehr vorbei. Für die wirtschaftliche Argumentation nur drei Beispiele: 1. Frauen verursachen in der Regel weniger Personalkosten bei Auslandseinsätzen. Hier müssen oft nicht "ganze Familien versetzt" werden. 2. Ein wichtiges, wenn auch sehr umstrittenes Argument ist: Frauen verdienen im Führungsbereich im Durchschnitt 20 bis 25 Prozent weniger. 3. Frauen wechseln seltener das Unternehmen. Die Beschaffung und Einarbeitung neuer Führungskräfte verschlingt aber Unsummen.
mm.de: Der Nachteil beim Gehalt freut vielleicht die Unternehmen, nicht aber die Frauen. Müssen sie niedrigere Gehälter in Kauf nehmen?
Domsch: Natürlich müssen sie das nicht. Aber sie verschenken damit einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil. Was hilft es einer Frau die Position sonst nicht zu bekommen? Kann sie sich mit Erfolg auf die bestehenden Rechtsgrundlagen berufen? Versuch macht klug! Auf Dauer kann das natürlich keine Argumentation sein. Chancengleichheit schließt gleiches Gehalt für vergleichbare Arbeit ein.
mm.de: Thema Schwangerschaft: Die meisten Personalchefs assoziieren damit Mutterschutz und Unkündbarkeit.
Domsch: Das Argument der Schwangerschaft sollte keine Rolle spielen. Frauen sind in einer Familienphase nicht für das Unternehmen verloren. Sie werden auch nach ihrer Schwangerschaft in Vollzeit oder reduzierter Vollzeit engagiert für ihr Unternehmen arbeiten. Das ist bei flexibler Arbeitszeitregelung und guter Kinderbetreuung möglich. Außerdem ist eine Schwangerschaft kein Zustand, der die Personalabteilung von einer Sekunde auf die andere wie ein Donnerschlag trifft.
mm.de: Warum gibt es dann trotzdem so oft Geschrei bei den direkten Vorgesetzten?
Domsch: Das sind überkommenene Vorurteile. Die Wahrheit sieht doch so aus: Wenn ein Unternehmen eine Frau in eine Fachposition, zum Beispiel Gruppenleiterin oder Wertpapierberaterin, gebracht hat, dann hat dieses Unternehmen rund 150.000 Euro investiert. Wenn diese Frau nach der Schwangerschaft nicht weiterarbeitet, ist das Geld verloren. Wenn diese Summe multipliziert wird, kommen bei größeren Unternehmen schnell einige Millionen zusammen.
mm.de: Welche Aspekte spielen in der gegenwärtigen Diskussion zum Thema Chancengleichheit die größte Rolle?
Domsch: Man muss das Thema Chancengleichheit unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten diskutieren, gerade im Zuge des globalen Wettbewerbs. Wenn man hier bestehen will, kann man auf Frauen nicht verzichten.
mm.de: Muss das Bewusstsein für diese Tatsache noch in die Köpfe der Personalchefs getragen werden, oder ist das bereits Konsens?
Domsch: An der Umsetzung hapert es noch. Es gibt ein neues Projekt der Bundesregierung, den "Genderdax". Da werden Unternehmen genannt, die die Karriere von Frauen explizit fördern. Ich bin überzeugt davon, dass karriereorientierte Frauen diese Plattform nutzen werden, um attraktive Arbeitgeber zu finden. Frauen sollten auf jeden Fall darauf achten, ob ihre Arbeitgeber sie fördern. Wenn sie erst nach zehn Jahren im Unternehmen entdecken, dass das nicht der Fall ist, ist es häufig zu spät.
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