Von Martin Scheele
Hamburg - Es hat etwas gedauert, bis Günther Fielmann seine eigentliche Leidenschaft (wieder) entdeckt hat. Genau genommen etwa 45 Jahre. 45 Jahre, die er keineswegs unnütz vertrödelt hat, sondern in denen er mit Hilfe von Geldgebern, 16-Stunden-Schichten und kühnen Geschäftsmethoden zur Nummer eins des Augenoptikergewerbes aufgestiegen ist.
Hätte er den Weg seiner beruflichen Karriere selbst entscheiden dürfen, vielleicht, ja vielleicht, wäre statt "Brille: Fielmann!" der Slogan "Ökoprodukte: Fielmann! zum geflügelten Wort geworden. Und biobewusste Großstädter würden seit Jahrzehnten in den Fielmann-Filialen Eier, Fleisch und Obst vom Land einkaufen. Produkte, die der heute 65jährige Chef der Fielmann AG
Jede freie Minute nutzt er abseits des Brillengeschäfts für das im Einklang mit der Natur stehende Anbauen von Obst und Gemüse, pflanzt Bäume, kümmert sich um aussterbende Tierarten wie der Maledina Holsteiner Zuchtstute und den Altdeutschen Schwarzbunten Niederrungsrindern. Kurzum: Bewahrt vor der heimischen Haustür die Natur vor Unheil - so wie es ihm seine Mutter damals auf Streifzügen durch die Holsteinische Schweiz gelehrt hat.
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Dass er im Hauptberuf jedoch der Vorstandschef der Fielmann AG wurde, hat er seinem Vater zu verdanken. Ein preußischer Beamter aus kleinbürgerlichen Verhältnissen "mit der Lust an der Pflicht", forderte ihn eindringlich auf "etwas Vernünftiges" zu erlernen. Fielmann tat wie ihm geheißen wurde und durchlief eine Ausbildung zum Augenoptiker, deren Prüfung er mit Auszeichnung bestand. Keine Eintagsfliege: Was Fielmann anpackt, führt er akribisch zur Perfektion.
Sein ungewöhnliches Geschäftsgebaren sorgte bei der Konkurrenz schnell für dicke Hälse. Zum Beispiel als er 1981 mit der gesetzlichen Krankenkasse AOK einen Sondervertrag abschloss und den AOK-Versicherten eine Vielzahl moderne Fassungen auf Rezept zusicherte. Auf Branchentreffen wird der Netzbeschmutzer geschnitten wie ein Aussätziger, seine neidischen Kollegen überziehen ihn mit Klagen. Doch der Erfolg gibt Fielmann Recht: Mehr als 14 Millionen Deutsche tragen seine Brillen. Gut fünf Millionen Brillen gehen jährlich über seine Ladentheken.
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