Sehen Sieger morgens um acht Uhr so aus? Ein Quartett junger, gut gekleideter Menschen sitzt betont aufrecht an einem Tisch: zwei Männer mit Krawatte, zwei Damen im Hosenanzug.
Diese vier haben es in die zweite Runde eines Assessment Centers (AC) bei einem Dax-Unternehmen geschafft. Aus dem Inneren eines Konferenzraumes dringen helles Licht und das Quietschen geschobener Tische. Keiner der Teilnehmer weiß, ob dieses scheinbar zwanglose Zusammensitzen bereits beobachtet wird. Man ist nett zueinander.
Die "Zeremonienmeisterin" des Tages, eine Mitarbeiterin der Personalabteilung, öffnet den Konferenzraum. Die fünfköpfige Jury sitzt mit dem Rücken zum Fenster, fünf Tische stehen in einer Front: Drei geschulte Beobachter, Mitarbeiter aus der Personalabteilung, sowie zwei Vertreter der Fachabteilungen. Die Teilnehmer sitzen ihnen als weit offenes V gegenüber. Die Personalleiterin lässt sich entschuldigen, sie kommt ein paar Minuten später.
Die Zeremonienmeisterin erläutert das standardisierte Verfahren, das Willkür verhindern, Eindrücke objektiv machen, Bauchentscheidungen verhindern soll. Sie präsentiert das Unternehmen in Daten, Fakten, Marken, Produkten, Zahlen.
Erster Akt: Es menschelt
Im Lebenslauf von Teilnehmer R., 30, reihen sich Sparkasse, Bundeswehr, Studium, Staatsexamen aneinander. Seine Praktika findet er "spannend", manche gar "super spannend". Er teilt sich Hobby und wichtigsten Zeitvertreib mit einem der Personaler: Ausdauersport und Kleinkind. Das menschelt.
Teilnehmerin M., 23 Jahre, gibt das Küken und punktet mit Zielstrebigkeit: Abitur, Wirtschaftsrecht, Auslandsjahr in Irland, Praktika ("sehr spannend"), Diplomarbeit. Sie zieht gerne Wanderschuhe an und interessiert sich jetzt für die "weiche Seite der Wirtschaft": Personalwesen.
Teilnehmerin H., 26, ist von Beruf Industriekauffrau und war bei Banken beschäftigt. Sie hat auch beim Vertrieb von Baggern "spannende" Einblicke gewonnen und ist irgendwann mit dem Recht in Berührung gekommen, "natürlich nur im positiven Sinne".
Teilnehmer F., 28, war bei der Bundeswehr und studierte an drei verschiedenen Universitäten Jura. Er ist Sportler: Leichtathlet - klingt nach einem Einzelkämpfer. Weil F. aber auch Hand- und Volleyball spielt, scheint er auch zum Teamwork fähig. Die verspätet eingetroffene Personalleiterin gibt den Teilnehmern die aus ihrer Sicht richtige Antwort zum Thema Hobby: "Ich habe doch meine Arbeit."
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